Friedhofstrasse 19
Letzten Montag wurde ein württembergischer Maurer, namens Georg Schänzle von Oberstetten, [wohnhaft in der Friedhofstrasse] polizeilich hierher und von da als geisteskrank ins Burghölzli bei Zürich gebracht. Es stellt sich heraus, dass dieser Schänzle, ein von Natur aus etwas tiefsinniger Charakter, bei einem hiess. Meister schon vor 2 Jahren und auch dieses Frühjahr wieder in Arbeit gestanden, vorletzten Montag nach Einsiedeln gepilgert ist, um sich, als Katholik, die Absolution zu erwerben. Der Beichtvater soll, wie man sagt, dem Sünder – aber so viel man weiss nur in dem Grad wie wir Alle sind – die Erlangung der Seligkeit total abgesprochen, jedenfalls die Hölle heiss genug gemacht haben, kurz und gut so, dass der sonst fleissige Arbeiter, am Dienstag oder Mittwoch hieher zurückgekehrt, am Freitag Nachmittag plötzlich die Arbeit verliess, am Samstag Morgen mir nichts dir nichts sich entfernte und am Sontag in Rapperswyl als ein ohne Schriften herumstreichendes Individuum abgefasst werden musste, nachdem er sich in der Kirche und dem Kirchhof durch sein auffallendes Benehmen verdächtig gemacht haben soll. Es ist nun mehr denn wahrscheinlich, dass durch diese pfäffische Impfung der seither immerwährend um die Seligkeit jammernde junge Mensch aus dem richtigen Gleise geraten.