Walde
Ein Ort "Walde" wird zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Als "Freie Gotteshausleut" waren die Menschen vom "Hof Wald" den Vögten des Klosters Schänis unterstellt. Das waren lange Zeit die Grafen von Kyburg.
ERSTE SIEDLUNG
Der Weiler "Richinbach" (Rickenbach) wird dem Kloster St. Gallen gestiftet. Die Urkunde ist das erste schriftliche Zeugnis einer Besiedelung.
StiAGS, Urk. II 35 recto. Quelle: Stiftarchiv St. Gallen
Walde
Ein Ort "Walde" wird zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Als "Freie Gotteshausleut" waren die Menschen vom "Hof Wald" den Vögten des Klosters Schänis unterstellt. Das waren lange Zeit die Grafen von Kyburg.
Die Kyburg als Landvogteischloss der Stadt Zürich um 1740 auf einem Stich von David Herrliberger. Quelle: David Herrliberger, upload by sidonius 11:40, 5 April 2008 (UTC), Herrliberger Kyburg1740, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
ERSTE KIRCHE
HABSBURGER
Wald fällt in den Herrschaftsbereich der Habsburger. In dieser Zeit entstehen mehrere kleine Befestigungen. Auch eine erste Kirche wird gebaut.
Älteste Darstellung des Wappens der "Habsburg" in der Zürcher Wappenrolle von ca. 1340. Quelle: Habspurg-Wappen ZWB, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
RODUNGEN
Die Hügelterrassen werden besiedelt. Die Bauern roden Wald und entwässern Sumpfland. Die Dorfwacht spielt nach wie vor keine grosse Rolle.
Quelle: Urs-Peter Zingg
Zürich
Gemeinsam mit Grüningen fällt Wald an die Stadt Zürich. Das bislang beschauliche Leben verändert sich: Die Walder bekommen das starke Machtgefälle zwischen Stadt und Land zu spüren.
Radierung von Johann Balthasar Bullinger (1770). Quelle: Johann Balthasar Bullinger Zuerich Paradiesbollwerk 17, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Heimarbeit
Zu Beginn der Neuzeit steht die Heimarbeit in voller Blüte. Menschen machen sich unabhängig von den saisonalen Schwankungen der Landwirtschaft. Hausierer verkaufen die Erzeugnisse.
Mädchen am Spinnrad. Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Wald braucht eine größere Kirche
Kurz vor der Reformationszeit bewilligte die Stadt Zürich die Vergrößerung der Kirche (nämlich den Neubau eines Langhauses mit gotischem Chor und Turm). Der Johanniter-Orden Bubikon und der Ritter Ulrich von Fründsberg von Hittenberg beteiligen sich an den Kosten.
Ritterhaus Bubikon: älteste Darstellung der Kommende um 1530. Quelle: Johannes Stumpf, Bubikon 16Jh, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Wald wird reformiert
Die Reformation erfasst, ausgehend von der Stadt Zürich, den ganzen Kanton. Alles Katholische wurde verboten. Wer beim Besuch der hl. Messe erwischt wurde, wurde mit Geldbusse bestraft und verlor später sogar das Bürgerrecht. Katholiken wurden nicht mehr geduldet. Wer katholisch bleiben wollte, musste auswandern.
Der Redormator Ulrich Zwingli, Pörträt von Hans Asper (1549). Quelle: Zwingli Hans Asper, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Rückgang der Kindersterblichkeit
Die Kindersterblichkeit geht merklich zurück. In der Folge wächst die Bevölkerung rapide: Kinder sind eine Hilfe bei der Heimarbeit.
Zwei Mädchen binden Blumen aus Papier in Heimarbeit. Quelle: Two girls assembling paper flowers, New York, 1924, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Kartoffelanbau
Früher als anderswo werden in Wald und Fischental Kartoffeln angebaut. Dieser Pragmatismus hilft, die wachsende Bevölkerung auch in schwierigen Zeiten zu ernähren.
Die Blüte der Kartoffelblüte. Quelle: Martin Sauter, Kartoffelbluete 2010-06-12, CC BY-SA 3.0
Marktrecht
Wald erhält das Marktrecht. Das heisst: Alle Waren müssen auf dem Markt gehandelt und verzollt werden. In der Folge entwickelt sich auch das Handwerk in der Dorfwacht.
Viehmarkt auf dem Walder Schlipfplatz. Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Heimweberei
In der Heimweberei werden bereits recht komplexe, noch überwiegend aus Holz konstruierte Webstühle eingesetzt. Die Maschinen werden nach Gewicht verkauft.
Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Grubenmann baut
Um die alte Kirche herum wurde ein grösseres Gotteshaus mit Turm errichtet. Dies war möglich, weil die Bevölkerung einen ausserordentlichen Froneinsatz leistete. Die Bauleitung hatte der bedeutende Kirchenbauer Jakob Grubenmann aus Teufen (AR).
Ein Grubenmann-Bau: das Haus zum Cavazzen in Lindau, heute Stadtmuseum. Quelle: Dguendel, Das Haus zum Cavazzen (Stadtmuseum), CC BY-SA 3.0
Spinnmaschine
Die erste Spinnmaschine in Wald läutet die Mechanisierung ein. Zunächst stehen die noch in kleinen, wenig rentablen Werkstätten. Diese schiessen wie Pilze aus dem Boden.
"Spinning Jenny". Quelle: Betty Longbottom, North Mill Museum - Hargreave's Spinning Jenny - geograph.org.uk - 356495, CC BY-SA 2.0
Spinnereien
Die erste industrielle Spinnerei in Wald nimmt den Betrieb auf.
Spinnerei Lindenhof Wald. Quelle: M. Manser
Bevölkerungszuwachs
Immer mehr Menschen leben in Wald. Arbeiter ziehen von den Aussenwachten hinunter ins Tal. Die Bautätigkeit nimmt stark zu.
Kosthäuser der Weberei Sagenrain in Wald ZH. Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Webereien
Die ersten Webereien setzen den Startschuss für eine rasche Industrialisierung. In schneller Folge werden entlang der Wasserläufe Fabriken gebaut. Wald wächst. Die miserablen Strassenverbindungen werden ausgebaut.
Weberei Wellenwaage in Wald ZH (während Hochwasser 1939). Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Wohin mit den Katholiken?
Für die im Zug der Industrialisierung eingewanderten Katholiken von Dürnten, Wald und Rüti wird im "Pilgersteg" im Grundtal eine Missionsstation eröffnet. Sonntags versammelten sich jeweils mehrere hundert Katholiken zum Gottesdienst. Die Missionsstation wird bald zu klein und deshalb geschlossen.
Die Ochsenkirche von Wald
Die erste katholische Kirche nach der Reformation wird geweiht: In Wald war beim Restaurant „Ochsen“ ein ansehnliches Haus erworben worden und zu einem Kirchlein umgebaut. Diese „Ochsenkirche“ mit 300 Plätzen dient bis 1927 als Gottesdienstraum.
Eisenbahn
Wald bekommt einen Bahnhof - ganz weit draussen. Der Eröffnung der Verbindung nach Rüti sowie der Anschluss an die Tösstalbahn war ein bizarrer Streit vorausgegangen. Die neue Bahnhofstrasse hat einen nachhaltigen Einfluss auf das Dorfleben.
Bahnhof Wald: Eröffnung 1976. Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Es kommen immer mehr
Die Missionsstation Wald wird selbständige Pfarrei und Peter Bammert als erster katholischer Pfarrer von Wald eingesetzt. Durch die starke Zuwanderung aus katholischen Kantonen wächst die junge Pfarrei rasch an.
Wald will hoch hinaus
Ein Zeichen des neuen Selbstbewusstseins: Die Kirche erhält den Markanten Spitzhelmturm (ca. 63 Meter hoch). Das alte Turmdach wurde abgebrochen.
Höhenklinik
Das Lungensanatorium auf dem Faltigberg ist ein Triumph für weitsichtige Strategen. Um den Zuschlag zu erhalten, führten die Walder akribische Wetterbeobachtungen durch. Mit der stark frequentierten Klinik beginnt sich Wald von der Textilindustrie unabhängig zu machen.
Zeitgenössische Grusskarte von der Zürcher Höhenklinik Wald ZH. Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Karriere als Kurort
Die Eisenbahn bringt Touristen. Die Höhenrestaurants auf den Berggipfeln boomen. Ein Wanderführer beschreibt die schönsten Ausflugsziele - das seit ein paar Jahren zugängliche Sagenraintobel inklusive.
Sommerfrische auf der Alp Scheidegg. Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Stolze Grösse
Mit 7'421 EInwohnern ist Wald das grösste Dorf im Züri Oberland (Wetzikon: 6'787; Rüti: 5'486; Dürnten: 3'161; Hinwil: 3'129; Gossau: 2'043; Fischenthal: 1'826).
Sommerfrische auf der Alp Scheidegg. Quelle: Archiv Heimatmuseum Wald
Pacific 231
Ein wichtiger Komponist mit Walder Wurzeln: Arthur Honegger komponiert "Pacific 231". Es ist die virtuose Vertonung einer Dampflok-Fahrt. Das Werk wird am 8. Mai 1924 in der Pariser Oper uraufgeführt. Arthur Honegger war auf der alten Schweizer 20-Franken-Banknote abgebildet.
Jean Mitrys stilprägender Musikfilm (1949)
St. Margarethen entsteht
Im Dorf wird fleissig Geld gesammelt, und der Bettelpfarrer aus Wald ist weit herum bekannt. Im Mai 1926 beginnen die eigentlichen Bauarbeiten am Pfarreizentrum an der Gartenstrasse/Rütistrasse. Die neue St. Margarethen-Kirche wird vom Churer Bischof Georgius Schmid von Grüneck geweiht.
Schokoladen-Zeiten
Die Weltwirtschaftskrise erreicht auch die Walder Textilindustrie. Der Niedergang erfolgt schleichend und hat viele Faktoren. In den 1930-er Jahren brechen allerdings süsse Zeiten an: JOWA und SPOSA produzieren Schokolade, in der ehemaligen Weberei Sagenrain werden Hüppen hergestellt.
Arbeitslose Wanderarbeiter (Hoboes) springen auf einen Güterzug auf, um in anderen Städten Arbeit zu suchen. Quelle: William James creator QS:P170,Q7340632, UnemployedMenHopTrain, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Wohnlage Natur
Das Ende der Textilgeschichte in Wald ist absehbar. Gleichzeitig nehmen Tourismus und Naherholung an Bedeutung.
Quelle: Marcel Friedrich
Ausbau öffentlicher Verkehr
Lange an der Kantonsgrenze vernachlässigt, profitiert Wald vom Ausbau des Öffentlichen Verkehrs. Die Stadt Zürich rückt näher. Die Voraussetzungen für Tagestourismus und neue Wohn-/Arbeitsmodelle verbessern sich.
Quelle: Matthias Dumpf
Neue Arbeitsmodelle
Im Zug der Umwidmung von ehemaligen Farbikgebäuden in Lofts werden neue Modelle von Arbeiten und Wohnen an einem Ort populär. Möglich wurde das auch durch die fortschreitende Digitalisierung.
Die zu Lofts umgebaute Weberei Hueb. Quelle: M. Manser
Gold Standard
Wald wird als Energiestadt zertifiziert und bekennt sich zu nachhaltigen Einsparungen für eine aktive Klimapolitik. Aktuell hält Wald den schwer erreichbaren Gold-Standard
Ende einer Ära
Mit der Keller AG schliesst die letzte der alteingesessenen Walder Textilfabriken ihre Tore. 2016 beginnt der Rückbau.
Abbruch des Fabrikgebäudes der Keller AG 2016. Quelle: M. Manser
Rekordverdächtig
Nirgendwo im Kanton leben mehr glückliche Rindviecher. In Wald mit seinen Aussenwachten gibt es den grössten Viehbestand im Kanton Zürich.
Quelle: Matthias Dumpf
Innovation und Interaktiv
"Wald360" geht online. Die neuartige digitale Plattform gewährt unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte des Ortes. Der Dorfchronist bittet um Reaktionen und Anregungen:
2016. Quelle: Urs-Peter Zingg
Auf Wachstumskurs
Wald überspringt die magische Marke von 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Wald soll aber Dorf bleiben. Es sind keine Bemühungen geplant, als Stadt anerkannt zu werden.