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Manchester der Schweiz: Textilgeschichte

Die Textilgeschichte im Zürcher Oberland ist geprägt von einer langen Tradition der Textilproduktion. Schon im 18. Jahrhundert begann die Region mit der Herstellung von Textilien, vor allem Leinen und Baumwolle. Im 19. Jahrhundert erlebte die Textilindustrie einen Aufschwung, und viele Fabriken entstanden. Die Textilherstellung war ein wichtiger Wirtschaftszweig bis ins 20. Jahrhundert. Heute sind nur noch wenige Textilbetriebe in der Region aktiv, aber die Geschichte der Textilindustrie ist ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes im Zürcher Oberland.

GESCHICHTEN
ENDE EINER ÄRA
ENDE EINER ÄRA

ENDE EINER ÄRA

Mit der Weberei Keller schliesst 2011 die letzte der traditionsreichen Walder Textilfabriken ihre Tore. Die Textilverarbeitung hatte Wald geprägt, schon bevor die ersten Fabriken entstanden. Mutige Pioniere bauten grosse Unternehmen auf und sorgten in Wald für Wohlstand - aber auch Abhängigkeiten von der Weltpolitik.

MANCHESTER DER SCHWEIZ

Die Keller-Fabrik ist die letzte Zeugin einer Epoche, die Wald die Bezeichnung „Manchester der Schweiz“ eingebracht hat. Auf dem Höhepunkt der Textilverarbeitung gab es in der Gemeinde 14 Webereien und vier Spinnereien und eine Seidenweberei.

INDUSTRIE UND ARBEIT

Die gewaltige Anzahl von 2'448 Webstühlen und 27'000 Spindeln waren in Betrieb. Entsprechend war die Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert angestiegen: innerhalb von vierzig Jahren von 3'800 auf über 6'000.

GLOBALER WETTBEWERB

Der globale Wettbewerb zwang die Webereien zuletzt in immer kürzere Produktzyklen. Mit innovativen Textilien und speziellen Maschinen besetzten sie einen Nischenmarkt im Highend-Bereich.

AUSVERKAUF UND ABBRUCH

Alles muss raus: Die Maschinen wurden nach Indien verkauft.

    ENDE EINER ÄRA

    Mit der Weberei Keller schliesst 2011 die letzte der traditionsreichen Walder Textilfabriken ihre Tore. Die Textilverarbeitung hatte Wald geprägt, schon bevor die ersten Fabriken entstanden. Mutige Pioniere bauten grosse Unternehmen auf und sorgten in Wald für Wohlstand - aber auch Abhängigkeiten von der Weltpolitik.

    MANCHESTER DER SCHWEIZ

    Die Keller-Fabrik ist die letzte Zeugin einer Epoche, die Wald die Bezeichnung „Manchester der Schweiz“ eingebracht hat. Auf dem Höhepunkt der Textilverarbeitung gab es in der Gemeinde 14 Webereien und vier Spinnereien und eine Seidenweberei.

    INDUSTRIE UND ARBEIT

    Die gewaltige Anzahl von 2'448 Webstühlen und 27'000 Spindeln waren in Betrieb. Entsprechend war die Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert angestiegen: innerhalb von vierzig Jahren von 3'800 auf über 6'000.

    GLOBALER WETTBEWERB

    Der globale Wettbewerb zwang die Webereien zuletzt in immer kürzere Produktzyklen. Mit innovativen Textilien und speziellen Maschinen besetzten sie einen Nischenmarkt im Highend-Bereich.

    AUSVERKAUF UND ABBRUCH

    Alles muss raus: Die Maschinen wurden nach Indien verkauft.

      WARUM WALD?
      WARUM WALD?

      WARUM WALD?

      Wie konnte Wald zu einem Zentrum für die Textilindustrie werden? Die vielen Wasserläufe waren optimale Voraussetzung für den Energiebedarf der Fabriken ­– aber das traf auch auf andere Gebiete zu. Hier kommt die bei den vielen Bauern weit verbreitete Heimarbeit ins Spiel. Das entsprechende Fachwissen war also längst vorhanden.

      LEBEN ­– UND ÜBERLEBEN

      Man muss sich die Lebensumstände vergegenwärtigen: Die Berghänge rund um Wald eigneten sich nicht zum Bau von zusammenhängenden Wohnsiedlungen. Auf den Talnischen, Terrassen und Plateaus gab es nur Platz für Einzelhöfe und Weiler. Flächen für Ackerland mussten sich die Bauern erst mühsam durch Rodung erkämpfen; Sumpfland musste entwässert werden.

      INDUSTRIE UND ARBEIT

      Im ersten Bevölkerungsverzeichnis von Wald (1634) sind 570 Einwohner vermerkt ­– verteilt auf 33 Siedlungen. Das um die Kirche gruppierte Dorf zählte 20 Familien mit 76 Einwohnern und hatte rein bäuerlichen Charakter.

      ALLE MÜSSEN HELFEN

      Ihre Erzeugnisse verkaufen die Bauern auf dem Markt, aber die Einkünfte reichen kaum zum Überleben. Seit dem Mittelalter war die gesamte Familie damit beschäftigt, durch Nebenverdienste das Überleben zu sichern.

      NEBENVERDIENSTE

      Neben der Holzverarbeitung, dem Korbflechten und dem Köhlern gewann die Garngewinnung an Bedeutung. Anfangs mit der Handspindel, später am Spinnrad verarbeiteten die Frauen und Mädchen Hanffasern aus dem „Hanfäckerli“ vor dem Haus zu Garn.

      BAUERN ALS KLEINUNTERNEHMER

      Mit dem Garn ging man hausieren oder verkaufte es auf den Wochenmärkten in der Umgebung. Von jeher traten die Bauern also auch als findige Kleinunternehmer in Erscheinung: „Der zürcherische Bergbauer ist heute Fabrikant, morgen wieder Landbauer und mit den Jahreszeiten wechselt ständig seine Beschäftigung.“

        WARUM WALD?

        Wie konnte Wald zu einem Zentrum für die Textilindustrie werden? Die vielen Wasserläufe waren optimale Voraussetzung für den Energiebedarf der Fabriken ­– aber das traf auch auf andere Gebiete zu. Hier kommt die bei den vielen Bauern weit verbreitete Heimarbeit ins Spiel. Das entsprechende Fachwissen war also längst vorhanden.

        LEBEN ­– UND ÜBERLEBEN

        Man muss sich die Lebensumstände vergegenwärtigen: Die Berghänge rund um Wald eigneten sich nicht zum Bau von zusammenhängenden Wohnsiedlungen. Auf den Talnischen, Terrassen und Plateaus gab es nur Platz für Einzelhöfe und Weiler. Flächen für Ackerland mussten sich die Bauern erst mühsam durch Rodung erkämpfen; Sumpfland musste entwässert werden.

        INDUSTRIE UND ARBEIT

        Im ersten Bevölkerungsverzeichnis von Wald (1634) sind 570 Einwohner vermerkt ­– verteilt auf 33 Siedlungen. Das um die Kirche gruppierte Dorf zählte 20 Familien mit 76 Einwohnern und hatte rein bäuerlichen Charakter.

        ALLE MÜSSEN HELFEN

        Ihre Erzeugnisse verkaufen die Bauern auf dem Markt, aber die Einkünfte reichen kaum zum Überleben. Seit dem Mittelalter war die gesamte Familie damit beschäftigt, durch Nebenverdienste das Überleben zu sichern.

        NEBENVERDIENSTE

        Neben der Holzverarbeitung, dem Korbflechten und dem Köhlern gewann die Garngewinnung an Bedeutung. Anfangs mit der Handspindel, später am Spinnrad verarbeiteten die Frauen und Mädchen Hanffasern aus dem „Hanfäckerli“ vor dem Haus zu Garn.

        BAUERN ALS KLEINUNTERNEHMER

        Mit dem Garn ging man hausieren oder verkaufte es auf den Wochenmärkten in der Umgebung. Von jeher traten die Bauern also auch als findige Kleinunternehmer in Erscheinung: „Der zürcherische Bergbauer ist heute Fabrikant, morgen wieder Landbauer und mit den Jahreszeiten wechselt ständig seine Beschäftigung.“

          VOM SPINNEN ZUM WEBEN
          VOM SPINNEN ZUM WEBEN

          VOM SPINNEN ZUM WEBEN

          Erst mit dem Aufkommen brauchbarer Webstühle verlor die Heimspinnerei an Bedeutung. Webstühle um 1750 verfügten bereits über eine vergleichsweise komplexe Steuerung für unterschiedliche Webmuster. Mehr als zwei Drittel der etwa 2000 Einwohner beschäftigten sich mit der Baumwollverarbeitung.

          HANF VOR DEM HAUS

          Ursprünglich hatten die Menschen strapazierfähige Hanffasern zu Garn versponnen. Noch der ärmste Bauer hatte deshalb sein kleines „Hanfäckerli“ vor dem Haus. Hanf wurde von Flachs abgelöst. Mitte des 18. Jahrhunderts trat die Baumwolle ihren Siegeszug an. Diese wurde aus Amerika importiert.

          BESSERES LEBEN, GRÖSSERE FAMILIEN

          Die Heimarbeit führte zu besseren Lebensbedingungen - das lässt sich auch an der Einwohnerzahl ablesen. Die vervierfacht sich innerhalb eines Jahrhunderts: 1739 zählte Wald bereits 2124 Bewohner. Die Kindersterblichkeit geht zurück. Die Familien werden grösser: Mit der Heimarbeit sind Kinder nicht mehr in erster Linie Belastung, sondern günstige Arbeitskräfte.

          DIE FERGGER

          Diese Blüte der Heimarbeit wäre ohne die Arbeit der Fergger nicht denkbar gewesen. Sie organisierten die Versorgung mit Rohstoffen, holten die fertigen Produkte ab und nahmen die Bezahlung vor.

          BESCHEIDENER WOHLSTAND

          Durch die Heimarbeit hatten Menschen mehr Geld zur Verfügung. Nicht immer gingen sie damit verantwortlich um. Häufig profitierten die Wirtshäuser. Periodisch beklagen Pfarrherren „ausuferndes Kegeln, Verarmung durch Schwelgerei, unbändiges Saufen sowie überhandnehmende Liederlichkeiten an Hochzeiten“, zu denen man teilweise über hundert Gäste einlade.

          SOZIALE AUSWIRKUNGEN

          Nicht die Landwirtschaft, sondern die Heimarbeit wurde zum sozial bestimmenden Element. Es heisst, dass leichtsinnig frühe Ehen geschlossen wurden zwischen Leuten, „die zwar zwei Spinnräder, aber kein Bett zusammenbringen konnten“.

          RAUHES LAND, RAUHE LEUTE

          „Es ist hier ein unebenes rauhes Land. Ein gleiches kann man überhaupt von den Einwohnern desselben sagen. Noch ist bei vielen grosse Unwissenheit und Dummheit, Unordnung und Lieblosigkeit, Trunkenheit, da selten die sechs Wirtshäuser der Gemeinde leer, auch einige Heldinnen im Weinsaufen oftmals mit ihren Kindern darin anzutreffen sind.“ (1763)

          ... UND RAUHE SITTEN

          „Die Gemeinde ist verderbt. Neben sieben öffentlichen Gaststätten bestehen 28 Winkelwirtschaften; in der Gemeinde Wald werden jährlich wohl gegen 200‘000 Flaschen Wein und Bränz verbraucht. Am letzten Jahrmarkt ist fast drei Tage lang aneinander in öffentlichen und Privathäusern getanzt worden.“ (1766)

            VOM SPINNEN ZUM WEBEN

            Erst mit dem Aufkommen brauchbarer Webstühle verlor die Heimspinnerei an Bedeutung. Webstühle um 1750 verfügten bereits über eine vergleichsweise komplexe Steuerung für unterschiedliche Webmuster. Mehr als zwei Drittel der etwa 2000 Einwohner beschäftigten sich mit der Baumwollverarbeitung.

            HANF VOR DEM HAUS

            Ursprünglich hatten die Menschen strapazierfähige Hanffasern zu Garn versponnen. Noch der ärmste Bauer hatte deshalb sein kleines „Hanfäckerli“ vor dem Haus. Hanf wurde von Flachs abgelöst. Mitte des 18. Jahrhunderts trat die Baumwolle ihren Siegeszug an. Diese wurde aus Amerika importiert.

            BESSERES LEBEN, GRÖSSERE FAMILIEN

            Die Heimarbeit führte zu besseren Lebensbedingungen - das lässt sich auch an der Einwohnerzahl ablesen. Die vervierfacht sich innerhalb eines Jahrhunderts: 1739 zählte Wald bereits 2124 Bewohner. Die Kindersterblichkeit geht zurück. Die Familien werden grösser: Mit der Heimarbeit sind Kinder nicht mehr in erster Linie Belastung, sondern günstige Arbeitskräfte.

            DIE FERGGER

            Diese Blüte der Heimarbeit wäre ohne die Arbeit der Fergger nicht denkbar gewesen. Sie organisierten die Versorgung mit Rohstoffen, holten die fertigen Produkte ab und nahmen die Bezahlung vor.

            BESCHEIDENER WOHLSTAND

            Durch die Heimarbeit hatten Menschen mehr Geld zur Verfügung. Nicht immer gingen sie damit verantwortlich um. Häufig profitierten die Wirtshäuser. Periodisch beklagen Pfarrherren „ausuferndes Kegeln, Verarmung durch Schwelgerei, unbändiges Saufen sowie überhandnehmende Liederlichkeiten an Hochzeiten“, zu denen man teilweise über hundert Gäste einlade.

            SOZIALE AUSWIRKUNGEN

            Nicht die Landwirtschaft, sondern die Heimarbeit wurde zum sozial bestimmenden Element. Es heisst, dass leichtsinnig frühe Ehen geschlossen wurden zwischen Leuten, „die zwar zwei Spinnräder, aber kein Bett zusammenbringen konnten“.

            RAUHES LAND, RAUHE LEUTE

            „Es ist hier ein unebenes rauhes Land. Ein gleiches kann man überhaupt von den Einwohnern desselben sagen. Noch ist bei vielen grosse Unwissenheit und Dummheit, Unordnung und Lieblosigkeit, Trunkenheit, da selten die sechs Wirtshäuser der Gemeinde leer, auch einige Heldinnen im Weinsaufen oftmals mit ihren Kindern darin anzutreffen sind.“ (1763)

            ... UND RAUHE SITTEN

            „Die Gemeinde ist verderbt. Neben sieben öffentlichen Gaststätten bestehen 28 Winkelwirtschaften; in der Gemeinde Wald werden jährlich wohl gegen 200‘000 Flaschen Wein und Bränz verbraucht. Am letzten Jahrmarkt ist fast drei Tage lang aneinander in öffentlichen und Privathäusern getanzt worden.“ (1766)

              WALD UND WELTPOLITIK
              WALD UND WELTPOLITIK

              WALD UND WELTPOLITIK

              Den Jahrhundertwechsel nach der Französischen Revolution bekommt die Gemeinde Wald brutal zu spüren. Politische Umbrüche bedeuten auch wirtschaftliche Zwänge für die noch junge Textilindustrie. Kriegswirren, wechselnde Staatsformen (helvetische Republik, Mediation, Restauration) und entsprechend unstabile Machtverhältnisse vor allem zwischen Stadt und Land verhindern eine kontinuierliche Entwicklung.

              ENDE DER ALTEN EIDGENOSSENSCHAFT

              Die aufgestellten Freiheitsbäume können nicht darüber hinweg täuschen: Napoleons Einmarsch in die Schweiz bringt Elend über das Land, Verwüstungen und Plünderungen.

              DER PFARRER ALS VERRÄTER

              1799 marschieren kaiserliche Truppen in Wald ein. Acht prominente Walder werden festgenommen. Der Verdacht macht die Runde, sie seien durch Pfarrer Bernhard Meyer, einen früheren Feldprediger, verraten worden. Drohungen werden laut: Sobald Meyer auf die Kanzel gehe, werde man ihn „obe abe schlage“. Es folgen jahrelange Anfeindungen, bis Meyer nach Uster übersiedelt.

              STRAUSSENHANDEL IM SAGENRAIN

              Als der aufgeklärte Theologe David Friedrich Strauss 1839 auf einen Lehrstuhl berufen wurde, formierte sich in den konservativen Landgemeinden starker Widerstand, der als „Straussenhandel“ in die Geschichte einging. In Wald wurde der Fabrikant Jakob Oberholzer zur Figur dieses Protests. Im Sagenrain rief er eine Bibelgruppe ins Leben und baute eine eigene Kapelle. Viele angesehene Walder Persönlichkeiten schlossen sich ihm an. Später ging die Bibelgruppe in der Chrischonagemeinde auf.

                WALD UND WELTPOLITIK

                Den Jahrhundertwechsel nach der Französischen Revolution bekommt die Gemeinde Wald brutal zu spüren. Politische Umbrüche bedeuten auch wirtschaftliche Zwänge für die noch junge Textilindustrie. Kriegswirren, wechselnde Staatsformen (helvetische Republik, Mediation, Restauration) und entsprechend unstabile Machtverhältnisse vor allem zwischen Stadt und Land verhindern eine kontinuierliche Entwicklung.

                ENDE DER ALTEN EIDGENOSSENSCHAFT

                Die aufgestellten Freiheitsbäume können nicht darüber hinweg täuschen: Napoleons Einmarsch in die Schweiz bringt Elend über das Land, Verwüstungen und Plünderungen.

                DER PFARRER ALS VERRÄTER

                1799 marschieren kaiserliche Truppen in Wald ein. Acht prominente Walder werden festgenommen. Der Verdacht macht die Runde, sie seien durch Pfarrer Bernhard Meyer, einen früheren Feldprediger, verraten worden. Drohungen werden laut: Sobald Meyer auf die Kanzel gehe, werde man ihn „obe abe schlage“. Es folgen jahrelange Anfeindungen, bis Meyer nach Uster übersiedelt.

                STRAUSSENHANDEL IM SAGENRAIN

                Als der aufgeklärte Theologe David Friedrich Strauss 1839 auf einen Lehrstuhl berufen wurde, formierte sich in den konservativen Landgemeinden starker Widerstand, der als „Straussenhandel“ in die Geschichte einging. In Wald wurde der Fabrikant Jakob Oberholzer zur Figur dieses Protests. Im Sagenrain rief er eine Bibelgruppe ins Leben und baute eine eigene Kapelle. Viele angesehene Walder Persönlichkeiten schlossen sich ihm an. Später ging die Bibelgruppe in der Chrischonagemeinde auf.

                  KONKURRENZ DURCH MASCHINEN
                  KONKURRENZ DURCH MASCHINEN

                  KONKURRENZ DURCH MASCHINEN

                  In England wird die mechanische Spinnerei erfunden. Um 1800 gelangen diese Maschinen auch ins Zürcher Oberland. Die Folge: Billige Maschinengarne überschwemmen das Land. Die Bewohner des Oberlandes sind mit ihrer traditionellen Produktionsweise nicht mehr konkurrenzfähig und bleiben auf ihren Erzeugnissen sitzen.

                  JAHR OHNE SOMMER

                  Die Landwirtschaft allein kann die vielen Menschen nur mit Mühe ernähren. Dazu kommen Missernten. 1816 und 1817 gehen als katastrophale Hungerjahre in die Geschichte ein. Wobei Wald und Fischental zumindest 1817 glimpflich davon gekommen zu sein scheinen: „Der Sommer 1817 war fruchtbar. Die Kühe und Ziegen gaben viel Milch. Mit Milchspeisen, dem wenigen Mehl, das sie aufzutreiben wußten und ihren spärlichen Vorräten (auch an Erdäpfeln, die zerkleinert sogar gedörrt aufbewahrt wurden) wussten diese Bergbewohner sich über die schlimmste Zeit hinwegzuhelfen.“ (Geschichte der Schulgemeinde Strahlegg)

                  BÄUERLICHER PRAGMATISMUS

                  Wegen ihrer schönen Blüte galt die Kartoffel anfangs als Zierpflanze. Als Nahrungsmittel wurde sie als „Teufelsfrucht“ weithin gering geschätzt und verbreitete sich erst im Lauf des 18. Jahrhunderts in Europa. Spätestens um 1750, wahrscheinclih schon deutlich früher, wurden „in großen Mengen, selbst in kleinen Pflanzplätzen ‚bis hoch in die Berge hinauf‘“ (Krebser) Kartoffeln angepflanzt. Stadtarzt Hirzel hält fest: „...die Pflanzung der Erdapfel, dieses nicht genug erkannte und verehrte Geschenk der Vorsehung zur Vorbauung der Hungersnot ist bey der Zunahme der Fabriken zuerst in den Gemeinden Wald und Fischenthal allgemein eingeführt worden.“ (Auserlesene Schriften zur Förderung der Landwirtschaft)

                  MECHANISCHE SPINNEREIEN

                  Kleine mechanische Spinnereien schossen jetzt wie Pilze aus dem Boden. Das waren unrationelle, von einem Wasserrad angetriebene Handwerksbetriebe. Nach und nach fanden die arbeitslosen Handspinner dort eine neue Verdienstmöglichkeit.

                  ERSTE HEIMWEBEREI

                  Viele der ehemaligen Handspinner versuchen ihr Glück und wechseln auf ihrem Bauernbetrieb in die Heimweberei, die um 1820 eine kurze Blütezeit erlebte. Die dazu nötigen Maschinen wurden aus Holz und in grossen Stückzahlen hergestellt. Der Verkaufspreis richtete sich nach Gewicht.

                    KONKURRENZ DURCH MASCHINEN

                    In England wird die mechanische Spinnerei erfunden. Um 1800 gelangen diese Maschinen auch ins Zürcher Oberland. Die Folge: Billige Maschinengarne überschwemmen das Land. Die Bewohner des Oberlandes sind mit ihrer traditionellen Produktionsweise nicht mehr konkurrenzfähig und bleiben auf ihren Erzeugnissen sitzen.

                    JAHR OHNE SOMMER

                    Die Landwirtschaft allein kann die vielen Menschen nur mit Mühe ernähren. Dazu kommen Missernten. 1816 und 1817 gehen als katastrophale Hungerjahre in die Geschichte ein. Wobei Wald und Fischental zumindest 1817 glimpflich davon gekommen zu sein scheinen: „Der Sommer 1817 war fruchtbar. Die Kühe und Ziegen gaben viel Milch. Mit Milchspeisen, dem wenigen Mehl, das sie aufzutreiben wußten und ihren spärlichen Vorräten (auch an Erdäpfeln, die zerkleinert sogar gedörrt aufbewahrt wurden) wussten diese Bergbewohner sich über die schlimmste Zeit hinwegzuhelfen.“ (Geschichte der Schulgemeinde Strahlegg)

                    BÄUERLICHER PRAGMATISMUS

                    Wegen ihrer schönen Blüte galt die Kartoffel anfangs als Zierpflanze. Als Nahrungsmittel wurde sie als „Teufelsfrucht“ weithin gering geschätzt und verbreitete sich erst im Lauf des 18. Jahrhunderts in Europa. Spätestens um 1750, wahrscheinclih schon deutlich früher, wurden „in großen Mengen, selbst in kleinen Pflanzplätzen ‚bis hoch in die Berge hinauf‘“ (Krebser) Kartoffeln angepflanzt. Stadtarzt Hirzel hält fest: „...die Pflanzung der Erdapfel, dieses nicht genug erkannte und verehrte Geschenk der Vorsehung zur Vorbauung der Hungersnot ist bey der Zunahme der Fabriken zuerst in den Gemeinden Wald und Fischenthal allgemein eingeführt worden.“ (Auserlesene Schriften zur Förderung der Landwirtschaft)

                    MECHANISCHE SPINNEREIEN

                    Kleine mechanische Spinnereien schossen jetzt wie Pilze aus dem Boden. Das waren unrationelle, von einem Wasserrad angetriebene Handwerksbetriebe. Nach und nach fanden die arbeitslosen Handspinner dort eine neue Verdienstmöglichkeit.

                    ERSTE HEIMWEBEREI

                    Viele der ehemaligen Handspinner versuchen ihr Glück und wechseln auf ihrem Bauernbetrieb in die Heimweberei, die um 1820 eine kurze Blütezeit erlebte. Die dazu nötigen Maschinen wurden aus Holz und in grossen Stückzahlen hergestellt. Der Verkaufspreis richtete sich nach Gewicht.

                      UMWÄLZUNGEN MIT DEM USTERTAG
                      UMWÄLZUNGEN MIT DEM USTERTAG

                      UMWÄLZUNGEN MIT DEM USTERTAG

                      Der Ustertag läutet neue politische Verhältnisse ein: 10‘000 Menschen fordern 1830 die Gleichstellung von Stadt und Land. Ergebnis ist eine neue Verfassung. Es ist auch die Geburtsstunde industrieller Textilproduktion im Zürcher Oberland. In der Folge können junge Pioniere in Wald unternehmerisch erfolgreich tätig werden.

                      LÄNDLICHES SELBSTBEWUSSTSEIN

                      Bis zum Ustertag befand sich das Zürcher Oberland im Würgegriff der Stadt Zürich – obwohl die Landbevölkerung längst zahlenmäßig überlegen war. Mit den Ferggern, Tüechlern, Wirten, Müllern und hauptberuflichen Heimwebern hatte sich eine selbstbewusste bürgerliche Schicht gebildet. Diese will mit ihrer Forderung nach mehr Mitspracherecht als politische und wirtschaftliche Kraft ernst genommen werden.

                      GÜNSTIGE VORAUSSETZUNGEN...

                      Durch die vielen arbeitslosen Heimspinner und Heimweber ist in Wald ein großer Pool an fachkundigen (und günstigen) Arbeitskräften vorhanden, auf die die neuen Unternehmer zurückgreifen können.

                      ...FÜR MUTIGE UNTERNEHMER

                      Mit dem Wasserreichtum der Gegend ist die Grundvoraussetzung gegeben, um die vielen mechanischen Webstühle anzutreiben.

                      SPEZIELLER KLAPP-STUHL

                      Mit dem klappbaren Gebärstuhl auf dem Rücken gingen die Hebammen zu den Entbindungen. Zusammen mit verbesserter Hygiene und medizinischer Versorgung sank die Kindersterblichkeit. Ideale Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum.

                      IMPORT – EXPORT

                      Im grossen Stil wurde Baumwolle importiert und aufbereitet. Als Naturprodukt musste es an jede Fabrik und für jede Maschine exakt angepasst zu Garn versponnen werden. Deshalb wurde Baumwolle als Rohstoff geliefert und ortsnah verarbeitet.

                      USTERBRAND

                      Mit der Verbreitung des mechanischen Webstuhls ereilt die Heimweberei das gleiche Schicksal wie die Heimspinnerei. Gegen die entstehenden großen Webereien konnte sie sich nicht behaupten. Da nützte es auch nichts, dass Oberländer Weber 1832 in ihrer Ohnmacht die Weberei Korrodi und Pfister in Uster in Brand steckten. Der Usterbrand ist der bekannteste Fall eines Maschinensturms in der Schweiz.

                        UMWÄLZUNGEN MIT DEM USTERTAG

                        Der Ustertag läutet neue politische Verhältnisse ein: 10‘000 Menschen fordern 1830 die Gleichstellung von Stadt und Land. Ergebnis ist eine neue Verfassung. Es ist auch die Geburtsstunde industrieller Textilproduktion im Zürcher Oberland. In der Folge können junge Pioniere in Wald unternehmerisch erfolgreich tätig werden.

                        LÄNDLICHES SELBSTBEWUSSTSEIN

                        Bis zum Ustertag befand sich das Zürcher Oberland im Würgegriff der Stadt Zürich – obwohl die Landbevölkerung längst zahlenmäßig überlegen war. Mit den Ferggern, Tüechlern, Wirten, Müllern und hauptberuflichen Heimwebern hatte sich eine selbstbewusste bürgerliche Schicht gebildet. Diese will mit ihrer Forderung nach mehr Mitspracherecht als politische und wirtschaftliche Kraft ernst genommen werden.

                        GÜNSTIGE VORAUSSETZUNGEN...

                        Durch die vielen arbeitslosen Heimspinner und Heimweber ist in Wald ein großer Pool an fachkundigen (und günstigen) Arbeitskräften vorhanden, auf die die neuen Unternehmer zurückgreifen können.

                        ...FÜR MUTIGE UNTERNEHMER

                        Mit dem Wasserreichtum der Gegend ist die Grundvoraussetzung gegeben, um die vielen mechanischen Webstühle anzutreiben.

                        SPEZIELLER KLAPP-STUHL

                        Mit dem klappbaren Gebärstuhl auf dem Rücken gingen die Hebammen zu den Entbindungen. Zusammen mit verbesserter Hygiene und medizinischer Versorgung sank die Kindersterblichkeit. Ideale Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum.

                        IMPORT – EXPORT

                        Im grossen Stil wurde Baumwolle importiert und aufbereitet. Als Naturprodukt musste es an jede Fabrik und für jede Maschine exakt angepasst zu Garn versponnen werden. Deshalb wurde Baumwolle als Rohstoff geliefert und ortsnah verarbeitet.

                        USTERBRAND

                        Mit der Verbreitung des mechanischen Webstuhls ereilt die Heimweberei das gleiche Schicksal wie die Heimspinnerei. Gegen die entstehenden großen Webereien konnte sie sich nicht behaupten. Da nützte es auch nichts, dass Oberländer Weber 1832 in ihrer Ohnmacht die Weberei Korrodi und Pfister in Uster in Brand steckten. Der Usterbrand ist der bekannteste Fall eines Maschinensturms in der Schweiz.

                          PIONIERE
                          PIONIERE

                          PIONIERE

                          Mutige Unternehmer aus dem Oberland nutzen die Aufbruchstimmung. Zwei davon waren Johannes und Kaspar Honegger aus Blattenbach. Sie stammten aus einer armen Familie mit elf Kindern. Der Vater betrieb eine kleine Werkstatt, in der er Nägel für die Bauern der Umgebung herstellte. Von klein auf mussten die Kinder jeden Tag nach der Schule ins Dorf hinunter gehen, um mit der Arbeit in einer Fabrik die Familie zu unterstützen.

                          EIN ERSTER VERSUCH

                          Schon in jungen Jahren bauen Kaspar und Johannes Honegger die Weberei Hueb auf. Diese brennt allerdings kurz darauf ab.

                          EIGENE WEGE

                          Nach dem Rückschlag beschliesst Kaspar Honegger weiterzuziehen. Er gründet die Weberei Neuthal.

                          NEU UND GRÖSSER

                          Johannes Honegger baut die Weberei Hueb wieder auf. Und macht sie zur grössten Weberei der Schweiz. Anschliessend vergrössert er die Fabriken in der Bleiche und wird einer der erfolgreichsten Textilunternehmer des Landes.

                            PIONIERE

                            Mutige Unternehmer aus dem Oberland nutzen die Aufbruchstimmung. Zwei davon waren Johannes und Kaspar Honegger aus Blattenbach. Sie stammten aus einer armen Familie mit elf Kindern. Der Vater betrieb eine kleine Werkstatt, in der er Nägel für die Bauern der Umgebung herstellte. Von klein auf mussten die Kinder jeden Tag nach der Schule ins Dorf hinunter gehen, um mit der Arbeit in einer Fabrik die Familie zu unterstützen.

                            EIN ERSTER VERSUCH

                            Schon in jungen Jahren bauen Kaspar und Johannes Honegger die Weberei Hueb auf. Diese brennt allerdings kurz darauf ab.

                            EIGENE WEGE

                            Nach dem Rückschlag beschliesst Kaspar Honegger weiterzuziehen. Er gründet die Weberei Neuthal.

                            NEU UND GRÖSSER

                            Johannes Honegger baut die Weberei Hueb wieder auf. Und macht sie zur grössten Weberei der Schweiz. Anschliessend vergrössert er die Fabriken in der Bleiche und wird einer der erfolgreichsten Textilunternehmer des Landes.

                              PIONIERE
                              PIONIERE

                              PIONIERE

                              Auch Jakob Oberholzer stammt aus einer armen Familie im Hüebli. Als Kind sitzt er selbstverständlich zuhause am Webstuhl, um zum Überleben der Familie beizutragen.

                              TALENT AUS ARMEN VERHÄLTNISSEN

                              Jakob Oberholzer erweist sich als ungewöhnlich talentiert im Reparieren von Webstühlen. Über die Jahre verbessert er die Webstühle sowie die Vorbereitung der Zettelfäden signifikant. Als erstem Fabrikanten in der Umgebung gelingt es ihm, Feingewebe herzustellen – und macht so den Produkten der Feinwebereien in Frankreich und England Konkurrenz.

                              GELEGENHEITEN BEIM SCHOPF GEPACKT

                              Den Grundstein für den Erfolg legt Oberholzer mit einer Ferggerei, in der er die Heimarbeit für die über 200 Handwerker vorbereitet, die er beliefert. Als er von einer schlecht laufenden Weberei in Wädenswil Webstühle angeboten bekommt, zögert er nicht lang und baut 1850 im Sagenrain ein kleines Fabrikgebäude, in dem er die Webstühle aufbaut.

                              MUT, FLEISS UND SCHNELLER ERFOLG

                              Bereits ein Jahr später wird ihm ein Lokal mit Wasserkraft in Diezikon angetragen. Neben diesem Betrieb baut Oberholzer den Sagenrain weiter aus. 1866 folgen die Weberei Hubwies und (gemeinsam mit Geschäftspartnern) die Spinnerei am Schildbach in Flums, welche bald über 10’000 Spindeln zählt.

                                PIONIERE

                                Auch Jakob Oberholzer stammt aus einer armen Familie im Hüebli. Als Kind sitzt er selbstverständlich zuhause am Webstuhl, um zum Überleben der Familie beizutragen.

                                TALENT AUS ARMEN VERHÄLTNISSEN

                                Jakob Oberholzer erweist sich als ungewöhnlich talentiert im Reparieren von Webstühlen. Über die Jahre verbessert er die Webstühle sowie die Vorbereitung der Zettelfäden signifikant. Als erstem Fabrikanten in der Umgebung gelingt es ihm, Feingewebe herzustellen – und macht so den Produkten der Feinwebereien in Frankreich und England Konkurrenz.

                                GELEGENHEITEN BEIM SCHOPF GEPACKT

                                Den Grundstein für den Erfolg legt Oberholzer mit einer Ferggerei, in der er die Heimarbeit für die über 200 Handwerker vorbereitet, die er beliefert. Als er von einer schlecht laufenden Weberei in Wädenswil Webstühle angeboten bekommt, zögert er nicht lang und baut 1850 im Sagenrain ein kleines Fabrikgebäude, in dem er die Webstühle aufbaut.

                                MUT, FLEISS UND SCHNELLER ERFOLG

                                Bereits ein Jahr später wird ihm ein Lokal mit Wasserkraft in Diezikon angetragen. Neben diesem Betrieb baut Oberholzer den Sagenrain weiter aus. 1866 folgen die Weberei Hubwies und (gemeinsam mit Geschäftspartnern) die Spinnerei am Schildbach in Flums, welche bald über 10’000 Spindeln zählt.

                                  AUFSTIEG ZUM TEXTIL-ORT
                                  AUFSTIEG ZUM TEXTIL-ORT

                                  AUFSTIEG ZUM TEXTIL-ORT

                                  Die Fabriken verändern Wald: Aus dem Bauerndorf wird ein Zentrum der jungen Textilindustrie. Aus Bauern werden Arbeiter.

                                  GOLDGRÄBERSTIMMUNG

                                  In rascher Folge werden von 1840 an entlang der Wasserläufe Fabriken gegründet und ausgebaut. Blaue Markierungen symbolisieren Webereien, violette Marker Spinnereien und Dienstleister für die Textil-Industrie.

                                  LÄRMENDE BETRIEBSAMKEIT

                                  Die Fabrikhallen waren laut. Und die mechanischen Maschinen benötigen ein hohes Mass an Betreuung bei Fadenriss oder technischen Problemen.

                                  GROBES TUCH UND FEINE STOFFE

                                  Neben Baumwolle wurde auch Seide verwoben.

                                  NEUES SELBSTBEWUSSTSEIN

                                  Der Aufstieg Walds zur Textil-Metropole geschieht in raschem Tempo. Damit verbunden wächst das Selbstbewusstsein im Ort.

                                  GELD ARBEITEN LASSEN

                                  Der rasante wirtschaftliche Aufschwung verlangte nach regionalen Kreditinstituten, die Investitionen auch für kleinere Unternehmen finanzieren und Gewinne sichern sollten. 1866 stimmten die Walder für eine „Leihkasse Wald“; 1870 startete die Zürcher Kantonalbank - ein großer politischer Triumph des Gibswiler „Bankvaters“ Johann Jakob Keller.

                                  FAULE KREDITE? FEHLANZEIGE.

                                  Der Textilindustrie geht es zunächst ausgezeichnet. Es wird erfolgreich investiert. Kreditausfälle sind praktisch nicht zu verzeichnen. In Wald muss nur ein Betrieb wegen finanzieller Problemen aufgeben: 1881 wird die Weberei Laupen durch Spoerry und Schaufelberger übernommen.

                                    AUFSTIEG ZUM TEXTIL-ORT

                                    Die Fabriken verändern Wald: Aus dem Bauerndorf wird ein Zentrum der jungen Textilindustrie. Aus Bauern werden Arbeiter.

                                    GOLDGRÄBERSTIMMUNG

                                    In rascher Folge werden von 1840 an entlang der Wasserläufe Fabriken gegründet und ausgebaut. Blaue Markierungen symbolisieren Webereien, violette Marker Spinnereien und Dienstleister für die Textil-Industrie.

                                    LÄRMENDE BETRIEBSAMKEIT

                                    Die Fabrikhallen waren laut. Und die mechanischen Maschinen benötigen ein hohes Mass an Betreuung bei Fadenriss oder technischen Problemen.

                                    GROBES TUCH UND FEINE STOFFE

                                    Neben Baumwolle wurde auch Seide verwoben.

                                    NEUES SELBSTBEWUSSTSEIN

                                    Der Aufstieg Walds zur Textil-Metropole geschieht in raschem Tempo. Damit verbunden wächst das Selbstbewusstsein im Ort.

                                    GELD ARBEITEN LASSEN

                                    Der rasante wirtschaftliche Aufschwung verlangte nach regionalen Kreditinstituten, die Investitionen auch für kleinere Unternehmen finanzieren und Gewinne sichern sollten. 1866 stimmten die Walder für eine „Leihkasse Wald“; 1870 startete die Zürcher Kantonalbank - ein großer politischer Triumph des Gibswiler „Bankvaters“ Johann Jakob Keller.

                                    FAULE KREDITE? FEHLANZEIGE.

                                    Der Textilindustrie geht es zunächst ausgezeichnet. Es wird erfolgreich investiert. Kreditausfälle sind praktisch nicht zu verzeichnen. In Wald muss nur ein Betrieb wegen finanzieller Problemen aufgeben: 1881 wird die Weberei Laupen durch Spoerry und Schaufelberger übernommen.

                                      SOZIALE VERÄNDERUNGEN
                                      SOZIALE VERÄNDERUNGEN

                                      SOZIALE VERÄNDERUNGEN

                                      Der Textil-Boom wirkte sich auf andere Bereiche aus: Dienstleister, Handwerker und Baugewerbe profitierten vom Expansionskurs der Fabriken. Aber auch das Gemeindeleben veränderte sich unter den neuen Bedingungen.

                                      DIE KATHOLIKEN KOMMEN

                                      Durch die vor allem katholischen Zuzüger veränderte sich die konfessionelle Schichtung im stark reformiert geprägten Wald.

                                      BAU-BOOM

                                      Das Baugeschäft Strehler profitierte besonders von den Fabrikbauten und auch dem Bau der Höhenklinik. Pferde für sechs achtspännige Fuhrwerke standen bei Strehler im Stall. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigte Strehler mehr als 300 Arbeiter, darunter viele Italiener. Das Baugeschaft an der Unterpuntstrasse brennt 1925 ab.

                                        SOZIALE VERÄNDERUNGEN

                                        Der Textil-Boom wirkte sich auf andere Bereiche aus: Dienstleister, Handwerker und Baugewerbe profitierten vom Expansionskurs der Fabriken. Aber auch das Gemeindeleben veränderte sich unter den neuen Bedingungen.

                                        DIE KATHOLIKEN KOMMEN

                                        Durch die vor allem katholischen Zuzüger veränderte sich die konfessionelle Schichtung im stark reformiert geprägten Wald.

                                        BAU-BOOM

                                        Das Baugeschäft Strehler profitierte besonders von den Fabrikbauten und auch dem Bau der Höhenklinik. Pferde für sechs achtspännige Fuhrwerke standen bei Strehler im Stall. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigte Strehler mehr als 300 Arbeiter, darunter viele Italiener. Das Baugeschaft an der Unterpuntstrasse brennt 1925 ab.

                                          ARBEITER UND FABRIKANTEN
                                          ARBEITER UND FABRIKANTEN

                                          ARBEITER UND FABRIKANTEN

                                          Das harte Leben der Fabrikarbeiter stand in deutlichem Kontrast zum schnell wachsenden Wohlstand der Fabrikanten.

                                          ARBEITSBEDINGUNGEN

                                          Harte Arbeit und lange Tage waren die früheren Bauern und Heimarbeiter bereits gewohnt. Neu war der streng getaktete Schichtdienst. 1866 betrug der Lohn eines Arbeiters bei einer Arbeitszeit von 12 bis 13 Stunden 80 Rappen bis 4 Franken. Der jährliche Mietzins für eine Arbeiterwohnung betrug 90 bis 150 Franken.

                                          RELATIVER AUFSTIEG

                                          Doch selbst diese harten Arbeitsbedingungen bedeuteten einen relativen Aufstieg für viele Menschen. Gleichzeitig trugen die Fabrikbesitzer ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko. Ohne die Fabriken hätten viele Walder überhaupt keine Beschäftigung gehabt: Von 3808 Einwohnern galten Mitte des 19. Jahrhunderts 2250 als bedürftig.

                                          FABRIKGESETZ

                                          Ein Fabrikgesetz bringt 1877 den 11-Stunden-Tag. In der Stadt Zürich wird es von der jungen Arbeiterbewegung gefeiert. Das Stimmenverhältnis im Bezirk Hinwil spricht eine andere Sprache: 4206 hatten sich gegen das Gesetz ausgesprochen (bei 1645 Befürwortern).

                                          ARBEIT UND MÜSSIGGANG

                                          Gewerkschaften und Arbeiterbewegung hatten in Wald einen schweren Stand. Bereits 1870 hatte das Stimmvolk ein Arbeitsgesetz verworfen. Als 1875 Kantonsrat Rudolf Morf in Wald für die Einführung des 10-Stunden-Tages werben will, wird er von einer Gruppe Demonstranten empfangen. Ihre Botschaft, auf ein Schild geschrieben: „Zur Arbeit, nicht zum Müssiggang sind wir, Herr Morf, auf Erden.“

                                          PERSÖNLICHE FREIHEIT

                                          Die Versammlung beschliesst mit 263 zu 3 Stimmen folgenden Antrag: „Die Versammlung wünscht, die Gesetzgebung solle keinerlei Bestimmung über die Arbeitszeit der Erwachsenen treffen, weil sie einen solchen Eingriff als der persönlichen Freiheit zuwiderlaufend betrachtet.“

                                          STREIK!

                                          Die Weltwirtschaftskrise 1931 erfasst auch die Schweizer Textilindustrie. Ein neues Websystem stoppte erstmals automatisch bei Fadenriss. Weber mussten neu sechs Spulen bedienen statt bisher drei oder vier. Die Arbeiter in der Bleiche bekamen 20 Prozent weniger Lohn. Ein Streikkomitee wurde gegründet, es gab Solidaritätsbekundungen anderer Firmen und Gemeinden. Hitzige Auseinandersetzungen wurden im „Volksblatt vom Bachtel“ ausgetragen. Der Streik dauerte über 13 Wochen.

                                          KINDERARBEIT

                                          Kinderarbeit war selbstverständlich. Die Mithilfe des eigenen Nachwuchs war unverändert wichtiger und kaum hinterfragter Zusatzverdienst. Selbst fortschrittlich denkende Menschen fanden, dass Kinder bei der Arbeit in der Fabrik besser aufgehoben seien als unbewacht zuhause.

                                            ARBEITER UND FABRIKANTEN

                                            Das harte Leben der Fabrikarbeiter stand in deutlichem Kontrast zum schnell wachsenden Wohlstand der Fabrikanten.

                                            ARBEITSBEDINGUNGEN

                                            Harte Arbeit und lange Tage waren die früheren Bauern und Heimarbeiter bereits gewohnt. Neu war der streng getaktete Schichtdienst. 1866 betrug der Lohn eines Arbeiters bei einer Arbeitszeit von 12 bis 13 Stunden 80 Rappen bis 4 Franken. Der jährliche Mietzins für eine Arbeiterwohnung betrug 90 bis 150 Franken.

                                            RELATIVER AUFSTIEG

                                            Doch selbst diese harten Arbeitsbedingungen bedeuteten einen relativen Aufstieg für viele Menschen. Gleichzeitig trugen die Fabrikbesitzer ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko. Ohne die Fabriken hätten viele Walder überhaupt keine Beschäftigung gehabt: Von 3808 Einwohnern galten Mitte des 19. Jahrhunderts 2250 als bedürftig.

                                            FABRIKGESETZ

                                            Ein Fabrikgesetz bringt 1877 den 11-Stunden-Tag. In der Stadt Zürich wird es von der jungen Arbeiterbewegung gefeiert. Das Stimmenverhältnis im Bezirk Hinwil spricht eine andere Sprache: 4206 hatten sich gegen das Gesetz ausgesprochen (bei 1645 Befürwortern).

                                            ARBEIT UND MÜSSIGGANG

                                            Gewerkschaften und Arbeiterbewegung hatten in Wald einen schweren Stand. Bereits 1870 hatte das Stimmvolk ein Arbeitsgesetz verworfen. Als 1875 Kantonsrat Rudolf Morf in Wald für die Einführung des 10-Stunden-Tages werben will, wird er von einer Gruppe Demonstranten empfangen. Ihre Botschaft, auf ein Schild geschrieben: „Zur Arbeit, nicht zum Müssiggang sind wir, Herr Morf, auf Erden.“

                                            PERSÖNLICHE FREIHEIT

                                            Die Versammlung beschliesst mit 263 zu 3 Stimmen folgenden Antrag: „Die Versammlung wünscht, die Gesetzgebung solle keinerlei Bestimmung über die Arbeitszeit der Erwachsenen treffen, weil sie einen solchen Eingriff als der persönlichen Freiheit zuwiderlaufend betrachtet.“

                                            STREIK!

                                            Die Weltwirtschaftskrise 1931 erfasst auch die Schweizer Textilindustrie. Ein neues Websystem stoppte erstmals automatisch bei Fadenriss. Weber mussten neu sechs Spulen bedienen statt bisher drei oder vier. Die Arbeiter in der Bleiche bekamen 20 Prozent weniger Lohn. Ein Streikkomitee wurde gegründet, es gab Solidaritätsbekundungen anderer Firmen und Gemeinden. Hitzige Auseinandersetzungen wurden im „Volksblatt vom Bachtel“ ausgetragen. Der Streik dauerte über 13 Wochen.

                                            KINDERARBEIT

                                            Kinderarbeit war selbstverständlich. Die Mithilfe des eigenen Nachwuchs war unverändert wichtiger und kaum hinterfragter Zusatzverdienst. Selbst fortschrittlich denkende Menschen fanden, dass Kinder bei der Arbeit in der Fabrik besser aufgehoben seien als unbewacht zuhause.

                                              ROBERT GRIMM
                                              ROBERT GRIMM

                                              ROBERT GRIMM

                                              Robert Grimm, geboren 1881 im Sagenrain, wurde zur zentralen Person der Schweizer Arbeiterbewegung. Bis 1955 sass Grimm im Nationalrat und prägte damit die Schweiz politisch als Sozialstaat.

                                              INTERNATIONALE KONTAKTE

                                              Als Chefredaktor der „Berner Tagwacht“ prägte er die Zeitung von 1909 an als Kampfblatt der Arbeiterschaft. Während des Ersten Weltkrieges wurde Grimm durch seine politische Position und seine internationalen Kontakte, etwa zu Lenin, zu einer führenden Figur der Arbeiterbewegung in Europa. Er organisierte die internationalen sozialistischen Friedenskonferenzen in Zimmerwald und Kiental.

                                              LANDESGENERALSTREIK

                                              Robert Grimm spielte eine zentrale Rolle in der Vorbereitung des Landesgeneralstreiks 1918. Dafür wurde er mit zwei Mitstreitern zu sechs Monaten Haft in Schloss Blankenburg verurteilt.

                                              RADIKAL UND REALISTISCH

                                              Vom Radikalen zum Realpolitiker. Robert Grimm gehörte innerhalb der SP dem marxistischen Zentrum zwischen dem radikalen und dem reformistischen Flügel an. Als Verfasser des Parteiprogramms von 1935 machte er die Sozialdemokratie durch die Absage an die proletarische Diktatur und die Bejahung der Landesverteidigung regierungstauglich.

                                                ROBERT GRIMM

                                                Robert Grimm, geboren 1881 im Sagenrain, wurde zur zentralen Person der Schweizer Arbeiterbewegung. Bis 1955 sass Grimm im Nationalrat und prägte damit die Schweiz politisch als Sozialstaat.

                                                INTERNATIONALE KONTAKTE

                                                Als Chefredaktor der „Berner Tagwacht“ prägte er die Zeitung von 1909 an als Kampfblatt der Arbeiterschaft. Während des Ersten Weltkrieges wurde Grimm durch seine politische Position und seine internationalen Kontakte, etwa zu Lenin, zu einer führenden Figur der Arbeiterbewegung in Europa. Er organisierte die internationalen sozialistischen Friedenskonferenzen in Zimmerwald und Kiental.

                                                LANDESGENERALSTREIK

                                                Robert Grimm spielte eine zentrale Rolle in der Vorbereitung des Landesgeneralstreiks 1918. Dafür wurde er mit zwei Mitstreitern zu sechs Monaten Haft in Schloss Blankenburg verurteilt.

                                                RADIKAL UND REALISTISCH

                                                Vom Radikalen zum Realpolitiker. Robert Grimm gehörte innerhalb der SP dem marxistischen Zentrum zwischen dem radikalen und dem reformistischen Flügel an. Als Verfasser des Parteiprogramms von 1935 machte er die Sozialdemokratie durch die Absage an die proletarische Diktatur und die Bejahung der Landesverteidigung regierungstauglich.

                                                  SOZIALE UNTERNEHMER
                                                  SOZIALE UNTERNEHMER

                                                  SOZIALE UNTERNEHMER

                                                  Nicht alle Unternehmer waren am puren Profit orientiert. Jakob Oberholzer etwa vergass nie seine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen. Er wusste um die Bedürfnisse seiner Arbeiter und versuchte, die sozialen Standards im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verbessern.

                                                  WALDER KOSTHÄUSER

                                                  Innerhalb kurzer Zeit stieg der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen stark an. Von den Fabrikanten errichtete Kosthäuser boten erschwinglichen (wenn auch bescheidenen) Wohnraum für die vielen Arbeiter.

                                                  WOHNRAUM UND KURZE WEGE

                                                  Die Kosthäuser befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Fabriken. Die Arbeiter hatte also einen kurzen Arbeitsweg. Das war durchaus im Sinn der Unternehmer.

                                                  MEDIZINISCHE ABSICHERUNG

                                                  Betriebskrankenkassen legen das Solidarprinzip auf ärztliche Versorgung an. Die akribischen Statistiken und Jahresberichte zeugen von einer durchaus ganzheitlichen Herangehensweise.

                                                  BETRIEBLICHE KINDERBETREUUNG

                                                  Damit die Kinder betreut sind, wenn beide Eltern in der Fabrik arbeiten, entstehen Betriebskindergärten.

                                                  „KINDERBEWAHRANSTALTEN“

                                                  Jacob Oberholzer erhält  1877 die Bewilligung, eine „Kinderbewahranstalt“ zu führen. Eine Lehrerin durfte nicht mehr als 50 Kinder betreuen. Der Bedarf war gross: Im Sagenrain waren nicht selten bis zu 70 Kinder, darunter auch die Allerjüngsten.

                                                  SOMMERFRISCHE

                                                  Nicht zuletzt gehören Naherholungsangebote zu den sozialen Errungenschaften aus der Textilblüte. Von der Anlage des Sagenraintobel profitiert die Gemeinde Wald noch heute.

                                                    SOZIALE UNTERNEHMER

                                                    Nicht alle Unternehmer waren am puren Profit orientiert. Jakob Oberholzer etwa vergass nie seine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen. Er wusste um die Bedürfnisse seiner Arbeiter und versuchte, die sozialen Standards im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verbessern.

                                                    WALDER KOSTHÄUSER

                                                    Innerhalb kurzer Zeit stieg der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen stark an. Von den Fabrikanten errichtete Kosthäuser boten erschwinglichen (wenn auch bescheidenen) Wohnraum für die vielen Arbeiter.

                                                    WOHNRAUM UND KURZE WEGE

                                                    Die Kosthäuser befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Fabriken. Die Arbeiter hatte also einen kurzen Arbeitsweg. Das war durchaus im Sinn der Unternehmer.

                                                    MEDIZINISCHE ABSICHERUNG

                                                    Betriebskrankenkassen legen das Solidarprinzip auf ärztliche Versorgung an. Die akribischen Statistiken und Jahresberichte zeugen von einer durchaus ganzheitlichen Herangehensweise.

                                                    BETRIEBLICHE KINDERBETREUUNG

                                                    Damit die Kinder betreut sind, wenn beide Eltern in der Fabrik arbeiten, entstehen Betriebskindergärten.

                                                    „KINDERBEWAHRANSTALTEN“

                                                    Jacob Oberholzer erhält  1877 die Bewilligung, eine „Kinderbewahranstalt“ zu führen. Eine Lehrerin durfte nicht mehr als 50 Kinder betreuen. Der Bedarf war gross: Im Sagenrain waren nicht selten bis zu 70 Kinder, darunter auch die Allerjüngsten.

                                                    SOMMERFRISCHE

                                                    Nicht zuletzt gehören Naherholungsangebote zu den sozialen Errungenschaften aus der Textilblüte. Von der Anlage des Sagenraintobel profitiert die Gemeinde Wald noch heute.

                                                      BERG- UND TALFAHRTEN
                                                      BERG- UND TALFAHRTEN

                                                      BERG- UND TALFAHRTEN

                                                      Wie kaum eine andere Branche bekam die Textilindustrie alle politischen Krisen unmittelbar zu spüren. Nur mit unternehmerischem Weitblick konnten sich Fabrikbesitzer am Markt behaupten. Bisweilen profitierten sie auch von Konflikten.

                                                      KONTINENTALSPERRE

                                                      Napoleons Kontinentalsperre 1806 sollte England wirtschaftlich isolieren. Für die Heimarbeiter bedeutete das zunächst gute Einnahmen, da das englische Garn nicht mehr auf dem europäischen Festland in den Handel kam. Als die Sperre 1811 aufgehoben wurde, überschwemmte englisches Garn den Markt und ruinierte die Preise.

                                                      SEZESSIONSKRIEG

                                                      Selbst der amerikanische Bürgerkrieg 1861-1865 hatte Auswirkungen auf die Oberländer Textilbranche. Da die Einfuhr von Baumwolle aus den amerikanischen Südstaaten stockte, fehlte es am dringend benötigten Rohstoff für die Textilverarbeitung.

                                                      DEUTSCH-FRANZÖSISCHER KRIEG

                                                      Im Krieg zwischen Deutschland und Frankreich 1870/71 profitierten die Walder. Weder die deutsche noch französische Textilindustrie konnte während dieser Zeit für den zivilen Markt produzieren. Die Schweiz sprang in die Bresche.

                                                      WELTWIRTSCHAFTSKRISE

                                                      Die Weltwirtschaftskrise erreichte mit etwas Verzögerung auch die Schweiz. Absatzmärkte brachen ein. Die Unsicherheiten über Lieferwege, Preise und Wechselkurse hatten Auswirkungen auf die Textilindustrie.

                                                        BERG- UND TALFAHRTEN

                                                        Wie kaum eine andere Branche bekam die Textilindustrie alle politischen Krisen unmittelbar zu spüren. Nur mit unternehmerischem Weitblick konnten sich Fabrikbesitzer am Markt behaupten. Bisweilen profitierten sie auch von Konflikten.

                                                        KONTINENTALSPERRE

                                                        Napoleons Kontinentalsperre 1806 sollte England wirtschaftlich isolieren. Für die Heimarbeiter bedeutete das zunächst gute Einnahmen, da das englische Garn nicht mehr auf dem europäischen Festland in den Handel kam. Als die Sperre 1811 aufgehoben wurde, überschwemmte englisches Garn den Markt und ruinierte die Preise.

                                                        SEZESSIONSKRIEG

                                                        Selbst der amerikanische Bürgerkrieg 1861-1865 hatte Auswirkungen auf die Oberländer Textilbranche. Da die Einfuhr von Baumwolle aus den amerikanischen Südstaaten stockte, fehlte es am dringend benötigten Rohstoff für die Textilverarbeitung.

                                                        DEUTSCH-FRANZÖSISCHER KRIEG

                                                        Im Krieg zwischen Deutschland und Frankreich 1870/71 profitierten die Walder. Weder die deutsche noch französische Textilindustrie konnte während dieser Zeit für den zivilen Markt produzieren. Die Schweiz sprang in die Bresche.

                                                        WELTWIRTSCHAFTSKRISE

                                                        Die Weltwirtschaftskrise erreichte mit etwas Verzögerung auch die Schweiz. Absatzmärkte brachen ein. Die Unsicherheiten über Lieferwege, Preise und Wechselkurse hatten Auswirkungen auf die Textilindustrie.

                                                          FRAUEN IN WALD
                                                          FRAUEN IN WALD

                                                          FRAUEN IN WALD

                                                          Ohne den zupackenden Einsatz der Frauen kann auch die Walder Textilgeschichte nicht erzählt werden. Sie waren es, die durch Heimarbeit für bescheidenen Wohlstand und finanzielle Unabhängigkeit gesorgt - und mit ihrem Know-How die Industrie-Blüte Walds überhaupt erst möglich gemacht hatten. Die Frauen brachten das Geld heim. Und mehr noch: Mit Energie und Tatkraft setzten sie sich für die Gemeinde ein, wenn buchstäblich Not am Mann war.

                                                          JAHRHUNDERT-HOCHWASSER

                                                          Am 25. August 1939 verwüstete eine Überschwemmung Strassen, Gebäude und Fabriken. Vier Tage später wurden angesichts der Kriegsgefahr die Grenztruppen aufgeboten. Viele der jetzt dringend benötigten Männer mussten einrücken.

                                                          JAHRHUNDERT-HOCHWASSER

                                                          Was tun? Die Frauen sicherten die Fortführung der Geschäfte und räumten die überschwemmten Gebäude frei.

                                                          ANBAUSCHLACHT

                                                          Auch während der Anbauschlacht fehlten die Männer − sie mussten auf den Feldern arbeiten. Frauen und Kinder strickten. Die Wolle kam von den Webereien. In der Not geschah also gewissermassen eine Rückbesinnung auf die Heimarbeit.

                                                            FRAUEN IN WALD

                                                            Ohne den zupackenden Einsatz der Frauen kann auch die Walder Textilgeschichte nicht erzählt werden. Sie waren es, die durch Heimarbeit für bescheidenen Wohlstand und finanzielle Unabhängigkeit gesorgt - und mit ihrem Know-How die Industrie-Blüte Walds überhaupt erst möglich gemacht hatten. Die Frauen brachten das Geld heim. Und mehr noch: Mit Energie und Tatkraft setzten sie sich für die Gemeinde ein, wenn buchstäblich Not am Mann war.

                                                            JAHRHUNDERT-HOCHWASSER

                                                            Am 25. August 1939 verwüstete eine Überschwemmung Strassen, Gebäude und Fabriken. Vier Tage später wurden angesichts der Kriegsgefahr die Grenztruppen aufgeboten. Viele der jetzt dringend benötigten Männer mussten einrücken.

                                                            JAHRHUNDERT-HOCHWASSER

                                                            Was tun? Die Frauen sicherten die Fortführung der Geschäfte und räumten die überschwemmten Gebäude frei.

                                                            ANBAUSCHLACHT

                                                            Auch während der Anbauschlacht fehlten die Männer − sie mussten auf den Feldern arbeiten. Frauen und Kinder strickten. Die Wolle kam von den Webereien. In der Not geschah also gewissermassen eine Rückbesinnung auf die Heimarbeit.

                                                              DER LANGE ABSTIEG
                                                              DER LANGE ABSTIEG

                                                              DER LANGE ABSTIEG

                                                              Der schleichende Niedergang der Textilindustrie erstreckt sich über das gesamte 20. Jahrhundert. Nach dem 2. Weltkrieg verschärft sich der Druck auf die Textilindustrie. Billigtextilien aus Ländern wie Bangladesch sind nicht der einzige Grund. Auch neuartige Kunststoffe, Strafzölle und Wechselkursschwankungen machen den Herstellern zu schaffen.

                                                              HOFFEN AUF DIE NISCHE

                                                              Schweizer Unternehmen spezialisierten sich auf Nischen wie besonders aufwendige oder technisch anspruchsvolle Produkte mit speziellen Materialeigenschaften.

                                                              EINE WELTFIRMA VERABSCHIEDET SICH

                                                              Innovative Webmaschinen brachten einen Produktionsvorteil. Aber es zeigte sich, dass Maschinen auch zu schnell sein können. Die einst von Caspar Honegger gegründete Maschinenfabrik Rüti war eine weltweit führende Ausstatterin für Weberei-Maschinen. Nach einer Reihe von erfolglosen Innovationen erfolgte 1996 der rapide Niedergang.

                                                              ...UND DER REST MACHT AUCH DICHT

                                                              Nach und nach schliessen alle alteingesessenen Walder Webereien und Spinnereien. Menschen verlieren nicht nur Arbeit, sondern auch ihre Identifikation und Perspektive. Wie soll es nur weitergehen?

                                                                DER LANGE ABSTIEG

                                                                Der schleichende Niedergang der Textilindustrie erstreckt sich über das gesamte 20. Jahrhundert. Nach dem 2. Weltkrieg verschärft sich der Druck auf die Textilindustrie. Billigtextilien aus Ländern wie Bangladesch sind nicht der einzige Grund. Auch neuartige Kunststoffe, Strafzölle und Wechselkursschwankungen machen den Herstellern zu schaffen.

                                                                HOFFEN AUF DIE NISCHE

                                                                Schweizer Unternehmen spezialisierten sich auf Nischen wie besonders aufwendige oder technisch anspruchsvolle Produkte mit speziellen Materialeigenschaften.

                                                                EINE WELTFIRMA VERABSCHIEDET SICH

                                                                Innovative Webmaschinen brachten einen Produktionsvorteil. Aber es zeigte sich, dass Maschinen auch zu schnell sein können. Die einst von Caspar Honegger gegründete Maschinenfabrik Rüti war eine weltweit führende Ausstatterin für Weberei-Maschinen. Nach einer Reihe von erfolglosen Innovationen erfolgte 1996 der rapide Niedergang.

                                                                ...UND DER REST MACHT AUCH DICHT

                                                                Nach und nach schliessen alle alteingesessenen Walder Webereien und Spinnereien. Menschen verlieren nicht nur Arbeit, sondern auch ihre Identifikation und Perspektive. Wie soll es nur weitergehen?

                                                                  WIE WEITER?
                                                                  WIE WEITER?

                                                                  WIE WEITER?

                                                                  Alle einstigen Textilfabriken in Wald existieren noch: Sie haben nach und nach ein neues Leben bekommen - als Loftwohnungen, Gewerberäume für kleine Kreativbetriebe und grosse Unternehmen.

                                                                  MIKROKOSMOS „BLEICHE“

                                                                  Die konsequenteste Umnutzung geschah wahrscheinlich mit der Bleiche: Als Hotel mit Restaurant, Wellnessbad und Fitnessstudio symbolisiert sie das postindustrielle Wald, das sich wieder seinen Freizeit- und Erholungswert bewusst macht.

                                                                  THAT'S ALL, FOLKS

                                                                  Geblieben ist einzig ein „Neuzuzüger“. Seit 1965 betreibt die Salzmann Group eine Umspinnerei für technische Stretch-Garne ­− zum Beispiel für medizinische Kompressionsstrümpfe.

                                                                    WIE WEITER?

                                                                    Alle einstigen Textilfabriken in Wald existieren noch: Sie haben nach und nach ein neues Leben bekommen - als Loftwohnungen, Gewerberäume für kleine Kreativbetriebe und grosse Unternehmen.

                                                                    MIKROKOSMOS „BLEICHE“

                                                                    Die konsequenteste Umnutzung geschah wahrscheinlich mit der Bleiche: Als Hotel mit Restaurant, Wellnessbad und Fitnessstudio symbolisiert sie das postindustrielle Wald, das sich wieder seinen Freizeit- und Erholungswert bewusst macht.

                                                                    THAT'S ALL, FOLKS

                                                                    Geblieben ist einzig ein „Neuzuzüger“. Seit 1965 betreibt die Salzmann Group eine Umspinnerei für technische Stretch-Garne ­− zum Beispiel für medizinische Kompressionsstrümpfe.