Mit den rasant wachsenden Eisenbahnverbindungen entwickelte sich eine frühe Form des Tourismus. Auch Wald wurde sich bewusst, was es alles zu bieten hatte. Und Alfred Marxer (1876-1945) gestaltete im Stil der Zeit künstlerische Werbeplakate.
Image: , Bildlegende:
Hügel hat Wald genug, über mangelnden Schnee kann man sich im Winter meist auch nicht beklagen. Per Sonderzug ging es zum Ski-Spektakel: Zu den Skirennen 1907 am Batzberg kamen 2'000 Schaulustige.
Das Skigebiet Farner wurde 1954 mit einem Schlepplift erschlossen. Auch in Laupen konnten die Kleinen ihre ersten Kurven üben: Zwischen 1971 und 1990 gab es einen Ponylift am Wilihang.
Image: , Bildlegende:
Der Weg ist das Ziel? Bis zum Bau des Oberholz-Skilifts nahmen die Wintersportler den Postbus zur Höhenklinik und liefen von dort über Chrinnen ins Oberholz.
Image: , Bildlegende:
Die Langläufer wechselten lieber auf die andere Talseite: Auf der Panoramaloipe in Ried finden sie unverändert beste Bedingungen und Aussichten vor.
Die ehemalige Fremdenpension Sonnenberg konnte 1910 günstig erworben werden. Diese Klinikerweiterung markiert eine erste Neuorientierung in der medizinischen Ausrichtung. Trotz grossen Patientenandrangs wurden die 30 Betten nicht für die Heilung genutzt, sondern zur Pflege schwerstkranker Frauen, die an fortgeschrittener Tuberkulose litten und voraussichtlich dauerhaft pflegebedürftig bleiben würden.
Image: , Bildlegende:
Beim Bau der Schweizer Volksheilstätten ging es weniger darum, „ein Universalheilmittel gegen eine unserer gefährlichsten und verbreitetsten Krankheiten zu schaffen, als darum, ein therapeutisches Prinzip, das wegen seiner Kostspieligkeit und Umständlichkeit bisan nur den Kreisen der Bemittelten zugänglich gewesen war und hier sich in vielen Fällen auf das glänzendste bewährt hatte, auch de Armen und dem Mittelstand zu Gute kommen zu lassen.“ (Staub)
Image: , Bildlegende:
Das Sanatorium war eine streng organisierte Welt der Erwachsenen. Kinder wurden ungern aufgenommen, weil sie schwer in den Klinikablauf integriert werden konnten. 1907 wurde ein eigenes Kinderhaus gebaut. Am 14. August 1908 zogen die ersten Patienten ein. Drei Tage später war es voll besetzt.
Image: , Bildlegende:
Mit der Eröffnung des Kinderhauses nahm der Anteil junger Patienten bis 1940 stetig zu und betrug zum Schluss etwa 20 Prozent: Jeder fünfte Patient war minderjährig. Insgesamt war die Höhenklinik geprägt von vielen jungen Menschen. Der Anteil der bis 40-Jährigen betrug 70 Prozent.
Image: , Bildlegende:
In den 1940-er Jahren änderte sich die Situation. Wirksame Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose wurden entdeckt. Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen dämmten die Krankheit zusätzlich ein. Eine Schliessung der Sanatorien Wald und Clavadel stand Ende der 1970-er Jahre zur Diskussion.
Rieds DNA ist ganz klar landwirtschaftlich geprägt. Stolze Bauernhöfe zeugen von einer kontinuierlichen Bewirtschaftung des Gebiets,...
Image: , Bildlegende:
...das die Bauern allerdings auch hier – wie in den anderen Aussenwachten – erst mühsam nutzbar machen mussten. Sie rodeten die Hänge und entwässerten den Boden.
Image: , Bildlegende:
Unter welch abenteurlichen Bedingungen das mitunter geschah, zeigte ein Bauernhaus in Hessen unterhalb der Scheidegg: Mit Drahtseilen musste es angebunden werden, um nicht in die Tössschlucht abzurutschen.
Image: , Bildlegende:
Ried war von Anfang ein Paradeplatz für kluge Bauern. 1634 lebten in Ried 122 Menschen. Keine zweihundert Jahre später zählte es 581 Einwohner. Daraus erklärt sich auch das starke Selbstbewusstsein der Aussenwacht, mit dem sie in diversen Konflikten wie dem Schulstreit oder der Kircheninitiative auftrat.
Image: , Bildlegende:
Durch seine bevorzugte Lage konnte Ried vergleichsweise einfach besiedelt werden, anders als etwa im Hüebli. Lange Zeit war Ried deshalb auch die grösste Aussenwacht der Gemeinde (bis es von Laupen überrundet wurde). Den Menschen ging es wirtschaftlich so gut, dass sie in der Regel nicht zur Heimspinnerei oder Heimweberei gezwungen waren.
Image: , Bildlegende:
Genügend Fläche und Weideland ermöglichte den Bauern stolze Viehbestände. Die Gemeinde Wald mit ihren Aussenwachten hält übrigens noch immer den Rekord: Nirgendwo im Kanton leben mehr Rindviecher (Stand 2016).
Image: , Bildlegende:
Wege kurz und die Qualität hoch halten: Käsereien veredeln die Milch an Ort und Stelle.
Image: , Bildlegende:
Das Bachtelgebiet um Ried ist eine von 24 kantonalen Schutzzonen, die Zersiedelung verhindern sollen. Sie macht den Bauern gleichzeitig Vorschriften zum Schutz seltener Pflanzen und Tiere. Die Schutzverordnung von 1967 wurde 2015. Ihr heutiger Sinn ist umstritten.
Unterrichtet wurde selbst im eher armen Güntisberg schon um 1716. Bis eine erste Liegenschaft für den Unterricht gekauft wird, vergehen aber mehr als hundert Jahre. Es scheint sich dabei um eine Bruchbude gehandelt zu haben. Auch mit den Lehrern hat man kein besonderes Glück: Sie kommen und gehen. Eine andere Lösung muss her.
Image: , Bildlegende:
Wo soll das Schulhaus stehen? Über den Standort kommt es 1846 zu einem heftigen Streit. Kern des Problems war der Schulweg: Niemand mochte weit laufen. Die salomonische Lösung lag buchstäblich auf halbem Weg zwischen Mettlen und Güntisberg. Und hier befindet sich das Schulhaus noch heute.
Image: , Bildlegende:
Die Bevölkerung wächst! Als ein Nebeneffekt entstehen zwischen 1700 und 1750 in allen Wachten Walds (mit Ausnahme Blattenbachs) Nebenschulen. Unterrichtet wird anfangs in der Wohnstube des Schulmeisters. Auf der Zeichnung ist das erste Primarschulgebäude zu sehen (das heutige Gemeindehaus): damals noch mit einem Eingang zur Rütistrasse hin.
Image: , Bildlegende:
Es gibt zunächst keine geregelte Lehrerausbildung. Der Beruf bleibt in der Familie, er wird weitergegeben vom Vater zum Sohn. Es entstehen richtiggehend Lehrersynastien. In Ried stellt während rund 150 Jahre die Familie Hess die Lehrer. Bild: Rieds erstes Schulhaus (mit einem Unterrichtszimmer und einer Lehrerwohnung) wurde 1826 eingeweiht. Schon bald war es zu klein.
Image: , Bildlegende:
Die wirtschaftliche Situation in Güntisberg-Mettlen erlaubte keine grossen Sprünge. Für das Schulhaus gibt es deshalb Geld vom Staat. Die anderen Walder Aussenwachten konnten die Kosten aus eigener Kraft stemmen.
Image: , Bildlegende:
Hittenberg war immer die Vorzeigeschule im Sprengel: „Grösste Zufriedenheit mit der Schule und Schulführung; Tages- und Repetierschule fast ohne Absenzen; Sorgfalt und Fleiss gehören zum Unterricht und führen zu ungewöhnlichen Erfolgen“, hielten Protokolle der Gemeinde- und Bezirksschulpflege fest.
Image: , Bildlegende:
Als erste Wachtschule erhielt Laupen 1818, am Weg zur Warteck, ein eigenes Schulhäuschen. Von 94 zahlungspflichtigen Familienvätern waren 34 auf Sozialhilfe angewiesen. Statt Geld leisteten sie Frondienste, lieferten Holz oder übernahmen Fuhrdienste. Da Laupen im Zug der Industrialiserung besonders stark wuchs, wurden 1864 und 1902 Neubauten nötig.
Image: , Bildlegende:
Auch Hischwil pochte um 1800 herum auf eine eigene Schule. Stattdessen wurde im Hüebli 1825 endlich gebaut. 1874 wurde das zweite Schulhaus verwirklicht, in dem noch heute unterrichtet wird.
Image: , Bildlegende:
Auf der Kramenwiese entstand 1839 die Primarschule der Dorfwacht Wald. Bis 1914 waren im heutigen Gemeindehaus drei Klassenzimmer sowie drei Wohnungen untergebracht. Die Baukosten hatten sich auf 18'355 Gulden (etwa 29'700 Franken) summiert.
Laupen wächst und wächst. Längst hat es Ried als Walds grösste Aussenwacht abgelöst. Gerade schickt es sich an, mit Wald zusammenzuwachsen. Dabei trennte noch um das Jahr 1900 herum die beiden Orte ein unwirtliches Sumpfgebiet.
Image: , Bildlegende:
Bewohnt ist die Gegend seit dem 13. Jahrhundert. Mehrere Quellen berichten von einer Burganlage in Oberlaupen. Vermutlich diente sie dazu, den Weg ins Toggenburg zu sichern.
Image: , Bildlegende:
Einige Ortsbezeichnungen weisen auf die landwirtschaftliche Prägung durch Vieh- und Milchwirtschaft: Weid, Farnweid, Altweid und Hubwies. Andere erinnern an den Ackerbau: Hubacher, Hofacher und Mettelacher.
Image: , Bildlegende:
Im Chefi etwa wurde einst grossflächig die Erbsenart Kefe angepflanzt. Heute ist es die grösste zusammenhängende Industriezone Walds.
Image: , Bildlegende:
Zweckmässige Wohnraummaximierung hat in Laupen eine gewisse Tradition. Auf dem Bild die Blöcke hinter dem Fussballplatz. Umso stärker der Kontrast zu den ursprünglichen Höfen mit Streuobstwiesen im Hintergrund.
Immer wieder kommt es im Sagenraintobel zu einschneidenden Unwetterschäden. Besonders verheerend war die grosse Überschwemmung 1939.
Image: , Bildlegende:
„Sollen wir das Sagenraintobel sich selbst und den wilden Wassern überlassen?“ fragt der Verschönerungsverein rhetorisch im „Volksblatt am Bachtel“ bereits am 11. Juli 1930. Freiwillige Helfer werden gesucht, die mit anpacken und aufräumen.
Image: , Bildlegende:
„Es gilt, die Überreste der Brücken aus dem Bachbett zu räumen und die gröbste Unordnung zu beseitigen. Dazu brauchen wir Helfer, zwanzig, dreissig, fünfzig. Wer hilft mit?“
Image: , Bildlegende:
Immer wieder ist der technische Zustand der zahlreichen Brücken und Wege ein drängendes Thema, zuletzt bei der Sanierung Anfang der 2000-er Jahre.
Image: , Bildlegende:
Schon bei einsetzendem Starkregen lässt sich beobachten...
Image: , Bildlegende:
...wie schnell sich der friedliche Charakter des Sagenraintobel schlagartig ändert...
Vision, Schildbürgerstreich und Politikum: Walds Anbindung an das Eisenbahnnetz war ein Abenteuer für sich. Die Realisierung der Strecke von Rüti hinein ins Tösstal war ein Meisterstück der Ingenieurskunst und hält noch heute Rekorde.
Image: , Bildlegende:
Nach heftigem Streit entstand der Bahnhof im sumpfigen Nordholz. Damals unfassbar weit ausserhalb des Dorfkerns. Als notwendige Verbindung entsteht die Bahnhofstrasse. Auf dem historischen Bild deutlich erkennbar ist der künstlich aufgeschüttete Damm zwischen Bahnhof und Dorf.
In der Folge verschiebt sich das öffentliche Leben weg vom Dorfplatz. Die Bahnhofstrasse entwickelt sich allmählich zum Flanier-Boulevard und zur Festmeile.
Image: , Bildlegende:
Immer noch mehr Wirtschaften buhlen um die Gunst der Reisenden und den Lohn der Arbeiter. In Wald drängen sich Gastwirtschaften in beeindruckender Zahl, was wir in Wald360 unter dem Menüpunkt "Orte" dokumentiert haben.
Image: , Bildlegende:
Die Eisenbahn brachte die langersehnte Mobilität nach Wald. Denn die Strassenverbindungen für die Fuhrwerke waren katastrophal. Mit dem Zug fuhr man jetzt nach Rüti oder Winterthur. Und von dort in die ganze Welt. Gleichzeitig wurde Wald endlich gut erreichbar für Ausflügler und Touristen.
Image: , Bildlegende:
Mit der Eisenbahnverbindung entstehen erste Pendlerbewegungen. Von Ried oder Fischental nach Wald, von Wald nach Rüti in die Arbeit: Solche Modelle waren nunmehr in einer Viertelstunde möglich.
Image: , Bildlegende:
Die Wege durch die Hügellandschaft waren nach wie vor nicht optimal. Umso besser, wenn man nicht mehr auf Pferdefuhrwerke angewiesen ist!
Ohne den zupackenden Einsatz der Frauen kann auch die Walder Textilgeschichte nicht erzählt werden. Sie waren es, die durch Heimarbeit für bescheidenen Wohlstand und finanzielle Unabhängigkeit gesorgt - und mit ihrem Know-How die Industrie-Blüte Walds überhaupt erst möglich gemacht hatten. Die Frauen brachten das Geld heim. Und mehr noch: Mit Energie und Tatkraft setzten sie sich für die Gemeinde ein, wenn buchstäblich Not am Mann war.
Am 25. August 1939 verwüstete eine Überschwemmung Strassen, Gebäude und Fabriken. Vier Tage später wurden angesichts der Kriegsgefahr die Grenztruppen aufgeboten. Viele der jetzt dringend benötigten Männer mussten einrücken.
Image: , Bildlegende:
Was tun? Die Frauen sicherten die Fortführung der Geschäfte und räumten die überschwemmten Gebäude frei.
Image: , Bildlegende:
Auch während der Anbauschlacht fehlten die Männer − sie mussten auf den Feldern arbeiten. Frauen und Kinder strickten. Die Wolle kam von den Webereien. In der Not geschah also gewissermassen eine Rückbesinnung auf die Heimarbeit.
Die Lokalposse wurde politisch, als sich Bern einschaltete und Zuschüsse von einem landesweiten Interesse abhängig machte. Als sinnvolle Lösung entpuppte sich ein Bahnhof am Nordholz. Die Strecke verlängerte sich dadurch zwar etwas. Dafür war die Steigung Richtung Bauma zu meistern. Ende gut, alles gut? Die Walder stellen auf stur.
Image: , Bildlegende:
Ein Bahnhof so weit weg vom Dorf? „Was isch au mit de Iisebahn / Vom Pilgersteg uf Wald? / Es frögt efange jedermann / was goht ächt öppe bald? / So mänge möcht gern neime hii, / doch lauft er gar nüd gern, / und warte scho sit fern. / De Bahnhof wünsch ich nächer zie / suscht stiig I erscht nüd ii / Is Hinternord bruuchts gar viil Schue / und mir wänd gspare sii.“ (Leserbrief im Volksblatt 1873)
Image: , Bildlegende:
Den Höhepunkt der Auseinandersetzung markierte eine Gemeindeversammlung, an der man längst fällige Aktienbeteiligungen an der Tösstalbahn aus fadenscheinigen Gründen nicht bewilligen wollte. Aus Protest traten Gemeindepräsident Reimann und Gemeinderat Zangger zurück. Der Bezirksrat akzeptierte die Rücktritte nicht und erklärte die Abstimmung aus rechtlichen Gründen für gesetzwidrig. Die erneute Abstimmung 1874 wendete die Schildbürger-Blamage schliesslich ab.
Image: , Bildlegende:
Der Fischenthaler Johannes Schoch, in Mailand zu Reichtum gekommen, unterstützte den Tösstalbahn-Anschluss mit der gewaltigen Summe von 652‘000 Franken, um sein Heimatdorf ans Schienennetz anzuschliessen. Im Gegenzug wurde eine der ersten Dampfloks auf seinen Namen getauft. Ausserdem, so wird berichtet, war ihm gestattet, nach Gusto auf den Geleisen spazieren zu gehen.
TITEL DER GESCHICHTE: EIN LEBEN OHNE BAHNHOFSTRASSE
Teaser Image BG:
GESCHICHTEN-BILDER:
Image: , Bildlegende:
Natürlich gab es bereits ein reges Dorfleben, lange bevor die Bahnhofstrasse entstand. Die Musik spielte damals auf dem Schlipf, Dorf- und dem Schwertplatz.
Image: , Bildlegende:
Vor allem der Dorfplatz mit dem „Hotel Couronne d‘Or“ (Krone) wirkte geradezu mondän. Regelmässig war er auch Schauplatz artistischer Vorführungen der Knie-Familie.
Image: , Bildlegende:
Wer am Dorfplatz wohnte, hatte Glück, denn nur der Blick aus dem Fenster war gratis. Alle anderen Zuschauer mussten bei den Freiluftspektakeln 10 Rappen Eintrittsgeld bezahlen.
Image: , Bildlegende:
Man nimmt das heute nicht mehr unmittelbar wahr, aber der Dorfplatz ist so etwas wie die natürliche Mitte Walds. Hier kreuzen sich die Strassen aus allen Richtungen. Im Bild zu sehen ist das historische Zollhaus. Bis zu seinem Brand war es ein markanter Blickfang.
Image: , Bildlegende:
Auf dem Schlipfplatz wurde Chilbi gefeiert und Vieh gehandelt. Wo heute Parkplätze ausgewiesen sind, spielten früher Buben Fussball.
Image: , Bildlegende:
Auf dem Schwertplatz wurde geturnt. Schliesslich war im heutigen Gemeindehaus die Primarschule untergebracht. Erst im Zug des Bahnhofstrassenbaus wurde der Turnplatz auf den Schlipfplatz verlegt.
Image: , Bildlegende:
Die „Goldene Krone„ war das erste Haus am Platz. Hier spielte sich bis zum Bau der Bahnhofstrasse das Dorfleben ab, bis hin zu artistischen Vorführungen der Familie Knie. „Bei aller ächt schweizerischen Eigenart hat die verehrte Geschäftsreisendenmutter 33 Jahre lang in wirklicher Liebe den gehetzt reisenden Kaufmann musterhafte Pflege angedeihen lassen„, schreibt das Volksblatt am Bachtel 1896.
Image: , Bildlegende:
Von 1638 an wohnte hier der vereidigte Zoller, der die korrekten Zollabgaben auf dem Walder Wochenmarkt überwachte. Mit der Abschaffung der Zölle 1836 ging das Haus zunächst an die Gemeinde, danach betrieb hier ein ehemaliger Zoller eine Wirtschaft, Bäckerei sowie die Brückenwaage am Dorfplatz. Das markante Fachwerkhaus brannte 2006 ab und wurde abgerissen.
Image: , Bildlegende:
Alle grossen Festzüge endeten selbstverständlich am Dorfplatz.
Image: , Bildlegende:
Der Verkehr hielt sich in Grenzen. Man konnte noch seelenruhig auf der Strasse bummeln. Der breite Aufgang zur Kirche zeigt: Die Szene wurde vor der Verbreiterung der Sanatoriumstrasse aufgenommen, in deren Folge man eine neue Lösung für das Westportal brauchte.
Die Auswüchse um das Chlausen führten 1928 zu Reformen, die heute noch gelten. Seither darf nur mit Bewilligung gechlaust werden. Es dürfen keine Masken getragen werden. Mindestens sechs Glocken müssen am Ring hängen. Ein Chlaus muss immer mit einem Schnappesel laufen. Und, am Wichtigsten: Alle Teilnehmer haben Einwohner von Wald zu sein.
Image: , Bildlegende:
Ursprünglich musste jeder Teilnehmer auch nachweisen, dass er sämtliche Steuern bezahlt hatte.
Image: , Bildlegende:
Für die Chlauspaare gibt es minutiöse, vom Obmann erstellte Einsatzpläne. Viel Zeit zur gemütlichen Einkehr bleibt da nicht. Früher kam es immer wieder einmal vor, dass Chlauspaare nach allzu viel Alkoholgenuss in eher desolatem Zustand im Dorf ankamen.
Image: , Bildlegende:
„Wänn s’Bösi um die Hütte flüügt / Tue eifach d’Feischter zue / Und wänn dir s’Glück uf Bude stigt, / hock nüd verchehrt druf ue“
Pilgern auf dem Jakobsweg ist wieder populär geworden. Genauer gesagt handelt es sich dabei um ein Netz aus verschiedenen Routen, das sich durch die Ostschweiz erstreckt.
Image: , Bildlegende:
Von Konstanz aus führte der „Schwabenweg“ Pilger aus dem Süddeutschen Raum nach Einsiedeln. Der Weg führt über Steg, Riedt, Tändler und Blattenbach über den Pilgersteg nach Rapperswil.
Image: , Bildlegende:
Die Schwabenpilger zogen meistens in Gruppen und waren leicht als Pilger erkennbar. Sie sangen, beteten, sie hielten Rosenkränze in den Händen und wurden häufig von Geistlichen begleitet. Ihren Proviant trugen sie in Kornsäcken oder Bündeln mit sich.
TITEL DER GESCHICHTE: GENIALE IDEE: DAS FLARZ-HAUS
Teaser Image BG:
GESCHICHTEN-BILDER:
Image: , Bildlegende:
Wohlstand heisst Wachstum. Menschen siedeln sich neu an. Parallel dazu sinkt die Kindersterblichkeit. Das bedeutet: Familien werden grösser. Wo sollen alle diese Menschen wohnen? Der Platz in einer Aussenwacht wie dem Hüebli bleibt beschränkt. Die typischen Flarz-Häuser entstehen.
Image: , Bildlegende:
Das Flarz-Haus ist die historische Form des Reihenhauses und eine Spezialität im Zürcher Oberland. Ein langes Haus wird in bis zu sechs schmale Wohnungen unterteilt. Damit wurde es die typische Wohnung für Kleinbauern und Arbeiter. Dass hier mehrere Familien unter einem Dach wohnen, sieht man den Flarz-Häusern schon von weitem an.
Image: , Bildlegende:
Typisch im Flarz-Haus sind die vielen, möglichst nach Süden ausgerichteten Fenster. Damit bekamen die Bewohner in den Zimmern genügend Licht, um der Heimarbeit nachzugehen. Die Fenster konnten häufig durch so genannte Fallläden verschlossen werden.
Image: , Bildlegende:
Die kargen Verhältnisse schweissen zusammen. Im Hüebli entsteht das erste Armenhaus der Gemeinde Wald.
Image: , Bildlegende:
Auch den Schulbau nehmen die Anwohner selbst in die Hand. Und die Wasserversorgung. Und die Feuerwehr. Die Menschen im Hüebli waren stolz auf ihre Unabhängigkeit.
Das Walder Wandernetz ist ganz so bestrickt, wie es sich für einen ehemaligen Textilort gehört: extrem engmaschig. Und bestens erschlossen.
Image: , Bildlegende:
Die umliegenden Gipfel wie Scheidegg, Bachtel, Po-Alp und Farner sind nicht schwer zu erreichen. Historische Postkarten zeugen von einer speziellen Mischung zwischen ländlicher Idylle mit mondänem Einschlag.
Image: , Bildlegende:
Oben wartet Belohnung. Mit dem aufkommenden Tourismus boomen die Berg-Gaststätten. Die Küche mag unterschiedlich gut gewesen sein – der Ausblick war immer atemberaubend.
Image: , Bildlegende:
Das Restaurant „Glärnisch-Blick“ unweit der Höhenklinik ist Geschichte...
Image: , Bildlegende:
...genauso wie die einst weltläufige Anlage auf der Scheidegg.
Image: , Bildlegende:
Der Tourismus war eine absolute Boom-Branche. Bereits 1910 preisen Reiseführer die Ausflugsziele und beschreiben passende Wanderrouten.
Image: , Bildlegende:
Zurück zur Natur! Die Frage bleibt nur: wohin genau, wenn es doch überall schön ist? Die Vielzahl der lohnenden Ausflugs- und Einkehrziele in und um Wald sucht auch heute immer noch ihresgleichen.
Seit den 1940-er Jahren war ein grösserer Umbau geplant. Der zweite Weltkrieg verzögerte das Projekt. Die Zustände in der Klinik blieben schwierig. „Das Fehlen von Liften ... zwingt uns, Kranke treppauf, treppab durch im Winter kalte Gänge zu transportieren, wobei als Transportmittel Bahre und Tragstuhl und als Träger die Handwerker des Hauses in Frage kommen...“
Image: , Bildlegende:
Das Wartezimmer ist überfüllt; Patienten sitzen auf der Treppe und versperren den Durchgang. Der Chefarzt hat kein eigenes Untersuchungs- und Sprechzimmer. Das Auskochen medizinischer Instrumente muss auf dem Gang erfolgen. Und fliessendes Wasser gibt es nur in den Waschräumen. Es fehlen eigene Wohnungen für das Personal. Die Garderobe ist ein Mehrzweckraum, in dem auch Patientinnen ihre Kleider ausbessern. Die Zentralheizung wird immer noch mit Dampf betrieben, Hauptheizkessel und ein Grossteil der Radiatoren stammen noch aus dem Eröffnungsjahr 1898.
Image: , Bildlegende:
Die Mängel in der Infrastruktur waren spätestens seit den 1920-er Jahren immer wieder Thema gewesen. Aber auch die Zustände in Betreuung und Verpflegung waren gerade in den Not-Zeiten alles andere als optimal. Als 1919 Patientenbeschwerden öffentlich werden, bügelt sie die Klinikleitung als „falsch und ungebührlich“ ab.
Image: , Bildlegende:
Nach einem positiven Volksentscheid 1946 begannen Umbauarbeiten. Die Operationen fanden zwischenzeitlich im Patienten-Waschraum statt. Kurzzeitig musste die Küche ohne Dach auskommen. Baulärm belastete den Betrieb bis zum Abschluss der Arbeiten 1951, also fünf lange Jahre.
Die meist aus Süddeutschland kommenden, katholischen Pilger trafen in Ried auf eine entschieden reformierte Bauernschaft. In der Regel zeigte sie wenig Verständnis für solche Unternehmungen. Ihnen war die fromme Tradition in erster Linie Zeitverschwendung.
Image: , Bildlegende:
Kein Wunder, versuchten die meisten Pilger, das Gemeindegebiet möglichst rasch zu durchqueren. Schliesslich war es die letzte Etappe, bevor der Blick über den Zürichsee die Reiseetappe Einsiedeln ahnen lässt.
Bereits 1659 gab es besoldete Lehrer in Wald und Ried. In der Kirchengutsrechnung taucht ein Betrag von vier Pfund auf, gezahlt für Schulstubenmiete an Hans Brändli im Raad. Der Lohn allerdings war und blieb karg. Lehrer genossen keinen guten Ruf. Wiederholte Einsprachen gegen die miserable Bezahlung, etwa in Ried, stiessen bei der Behörde auf taube Ohren.
Image: , Bildlegende:
Spätestens zur Reformationszeit war ein Diakon mit der Führung der Hauptschule Wald beauftragt. Bald waren es so viele Kinder, dass man Helfer benötigte. Als Schulort wird 1640 das Haus „Helferei“ am Dorfplatz erwähnt.
Image: , Bildlegende:
Die Kirche als treibende Kraft gegen den Analphabetismus: Huldrych Zwingli wollte, dass jeder die Bibel lesen könne. In der Folge blieb der Bildungsauftrag fest in kirchlicher Hand. Dies änderte sich erst mit den Umwälzungen des Ustertags.
Image: , Bildlegende:
Verbindliche Lehrpläne gab es ebenso wenig wie eine pädagogische Ausbildung. Für die Lehrer hiess das: learning by doing.
Image: , Bildlegende:
Ende des 18. Jahrhunderts galt Schulpflicht vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr. Allerdings liess der Schulbesuch oft zu wünschen übrig. „Die Kinder haben sich entschuldigt und konnten aus Mangel an Kleidern den Unterricht nicht besuchen“, notiert etwa Schulmeister Hess im Ried.
Image: , Bildlegende:
Der Schweizer Dichter und Schriftsteller Albin Zollinger unterrichtete 1916 kurze Zeit in Mettlen. Seine Schüler zeigten ihm offenbar, wer hier der Stärkere war. „Hab ich es mit Wunderkindern zu tun, die ohne Kehlkopf zur Welt gekommen sind?“, klagt er in einem Brief: „Meine Schüler wissen alles, was Menschenbegehr! Ich werde mir demnächst die Hosentaschen vergrössern lassen, damit ich die Hände bequemer dreinstecken kann.“
Laupen ist geprägt von vielen fliessenden Gewässern in den Geländefalten. Diese natürliche Energiequelle wurde früh genutzt. Die Bäche waren ideale Voraussetzungen für Textilindustrie.
Image: , Bildlegende:
Der Lattenbach wurde intensiv bewirtschaftet durch diverse Stauweiher zwischen Giebel und Unterlaupen. Entlang des Wasserlaufs wurden mehrere Fabriken gebaut.
Image: , Bildlegende:
Die erste mechanische Weberei wurde 1851 von Jakob Oberholzer und Heinrich Spörri in Diezikon errichtet. Für 5.200 Gulden erwarb er die ehemalige Drechslerei Heusser. Das Gebäude am Lattenbach verfügte bereits über ein Wasserrad zur mechanischen Krafterzeugung. Danach entstanden Webereien in Laupen, Hubwies und Winkel.
Image: , Bildlegende:
Um die unregelmässige Wasserführung auszugleichen, entstand auf Basis mehrerer Ausgleichsweiher ein komplexes System, um die Wasserzufuhr zu steuern. Als die Wasserräder durch Turbinen zur Stromerzeugung ersetzt wurden, konnte die Produktivität durch den Anschluss zusätzlicher Webstühle deutlich gesteigert werden.
Image: , Bildlegende:
Für die Bewohner bedeuteten die Fabriken Arbeit – wie in den meisten anderen Wachten waren Heimspinnerei und Heimweberei weit verbreitet. Laupens erste Weberei zählte bald mehr als 150 Mitarbeiter.
Image: , Bildlegende:
Anders als etwa im Hüebli mussten die Menschen aber nicht ihre Heimat verlassen, um in den Fabriken zu arbeiten.
TITEL DER GESCHICHTE: DIE HÖLL: GEOLOGISCHER URGRUND
Teaser Image BG:
GESCHICHTEN-BILDER:
Image: , Bildlegende:
Die „Höll“ ist der verwunschenste Ort im Tobel. Gewissermassen ist sie das Herz des Sagenraintobel. Nirgendwo kann man besser den geologischen Urgrund der gesamten Landschaft studieren.
Image: , Bildlegende:
Ein Wasserfall stürzt steile Nagelfluhwände. Im Kontrast dazu ruhen im Becken der „Höll“ gewaltige Findlinge.
Image: , Bildlegende:
Die Landschaft wurde also nicht durch Faltung geschaffen. Die Täler wurden vielmehr eingekerbt. Berge wie Bachtel, Scheidegg, Hörnli oder Schnebelhorn sind trotz ihrer markanten Form im Grunde nur das, was ein Eiszeitgletscher übrig gelassen hat.
Image: , Bildlegende:
Die Eismassen der Linthgletscher-Ausläufer drängten in der letzten Eiszeit nordwärts, ohne die Oberländer Berge ganz zu bedecken. Deshalb bildete sich zwischen Bachtel und Scheidegg eine Talmulde mit Schichtstufen an den Berghängen.
Image: , Bildlegende:
Das bröselige Sedimentgestein erodiert leicht: Eindrucksvolle Wasserfälle entstehen.
Image: , Bildlegende:
Gut zu erkennen ist die uneinheitliche Struktur des Gesteins.
Die Welt gehört den Mutigen! Entgegen aller Wahrscheinlichkeit bewirbt sich Wald erfolgreich um den Standort für ein Lungensanatorium. Es ist gleichzeitig der Startschuss für Tourismus in der Region. Die Menschen kamen, gerade auch Dank der guten Eisenbahnanbindung.
Image: , Bildlegende:
Mit detaillierten Studien hatte der Walder Gewerbeverein die klimatischen Vorzüge untermauert. Seine Erkenntnisse damals gelten noch heute: Wald ist nebelfrei und sonnenreich. Von der Aussicht ganz zu schweigen.
Image: , Bildlegende:
Ernstzunehmende Events lockten Besucher an. Zu einnem Skirennen (damals noch am Batzberg, nicht im Oberholz) fuhren 1907 sogar Sonderzüge. 2000 Zuschauer säumten die Piste.
Image: , Bildlegende:
Mit dem Spazierweg durch das Sagenraintobel erhielt Wald 1902 ein idyllisches Ausflugsziel. In einem Wanderführer von 1910 nimmt es breiten Raum ein.
Früh setzte sich die Einsicht durch: Marketing und moderne Medien müssen sein! Mit grossem Aufwand entstand 1928 ein Werbefilm für die Tourismus-Region. Absolut sehenswert!
Image: , Bildlegende:
Mit den vielen Tagestouristen florieren auch die Höhenrestaurants rund um Wald. Auf dem Bild: Sommerfrische auf der Scheidegg.
Das wirtschaftlich blühende Wald strotzt vor Selbstbewusstsein. Dem verdankt es auch den markanten Turm seiner reformierten Kirche. Bereits 1893 wurde der Käsbisse-Turm, der auf vielen alten Darstellungen gut zu erkennen ist, durch einen 65 Meter hohen Spitzturm ersetzt.
Image: , Bildlegende:
Die Walder Hügel als Hotspot für Pioniere des Luftsports: Zunächst am Bachtel, dann von der Scheidegg aus etablierte sich früh eine enthusiastische Fliegergemeinde. Hier erkundeten Wagemutige die lokalen Thermik-Geheimnisse. Segelflieger kommen heute nur noch zu Besuch. Dafür teilen sich Gleitschirmflieger, Deltasegler und Modellflieger die Scheidegg.